Ruf nach lückenloser Aufklärung des Falls

Image-Schaden wegen Drogen-Polizist

Tele-M1-Beitrag zum Thema

Im Fall des inhaftierten Zofinger Polizeichefs kommt immer mehr ans Licht. Und der Stadtrat gerät immer mehr unter Beschuss – auch von politischer Seite. Der CVP-Ortspräsident kritisiert: «Man hätte früher reagieren sollen. Es gab Hinweise.» Derweil übernimmt der Stadtrat die politische Verantwortung.

Michael Spillmann, Mathias Küng

Der Fall des dealenden Zofinger Polizeichefs Mathias P. Müller zieht weitere Kreise. In der Stadt brodelt die Gerüchteküche. Die Rede ist von ausschweifenden Partys und von offensichtlichen «charakterlichen Mängeln». Wie die MZ aus Kreisen der Regionalpolizei weiss, habe auf dem Posten ein Klima des Misstrauens geherrscht. Dies jedoch nicht aufgrund des Doppellebens des Chefs, sondern weil er als Marionette des zuständigen Stadtrats gegolten habe. Immerhin: Wie zu vernehmen war, seien der Drogenkonsum und die krummen Geschäfte den Korpsangehörigen verborgen geblieben (während in anderen Korps die Geschichte offenbar gerüchteweise herumgeboten wurde).

Der diplomierte Informatik-Ingenieur und polizeiliche Quereinsteiger sitzt noch immer in Untersuchungshaft. Recherchen zeigen: Der freigestellte Zofinger Repol-Chef hatte sich offenbar vor Jahren für den Lenzburger Polizeichefposten beworben. Dort kam er allerdings nicht in die engere Auswahl.

«Keine Stammtischgerüchte»

Anders in Zofingen, wo er über ein Jahr als Polizeichef amtete - und alle täuschen konnte. Ruedi Hagmann, Präsident der CVP Zofingen-Strengelbach findet klare Worte: «Man hätte früher reagieren sollen. Es gab Hinweise.» Bereits vor Monaten habe er vernommen, dass der Chef der Regionalpolizei in der Öffentlichkeit «ein Verhalten an den Tag lege, das für einen Polizeichef nicht vertretbar war». Hagmann betont: «Dabei handelte es sich nicht um irgendwelche Stammtischgerüchte.»

Auf eine informelle Anfrage bei Stadtratsmitgliedern habe es darauf keine «konkrete» Antwort gegeben. Um Licht ins angerichtete Schlamassel zu bringen, will die Fraktion nun im Einwohnerrat eine dringliche Interpellation einreichen. «Aufgrund der Antworten können wir sehen, ob man nicht hätte früher reagieren müssen. Und Hagmann geht noch einen Schritt weiter: «Ist dies der Fall, muss das politische Konsequenzen haben.» Die SVP Zofingen-Mühlethal stimmt in die Kritik ein. «Wir wollen vom Stadtrat wissen, ob man früher etwas hätte merken müssen», so Ortsparteipräsident Robert Fedier, «und wenn ja, warum wurde nichts gemacht?» Der Parteipräsident fordert eine lückenlose Aufarbeitung des Falls: «Die Behörden müssen offen und transparent informieren, wer wann von den Problemen bei der Regionalpolizei gewusst hat.»

Stadtrat übernimmt Verantwortung

Der Zofinger Stadtrat hat den Mitarbeitenden der Regionalpolizei Zofingen sein Vertrauen ausgeprochen, wie er in einem Communiqué festhält. Er stehe «voll und ganz» hinter den Mitarbeitenden der Repol, die «ihre Aufgaben pflichtbewusst und verantwortungsvoll» wahrnähmen. Die Mitarbeitenden seien «im laufenden Verfahren gegen den freigestellten Polizeichef Mathias P. Müller nicht involviert». Gegenüber der MZ ergänzt Stadtammann Hans-Ruedi Hottiger, dass die Repol-Mitarbeitenden - die derzeit bei ihrer Arbeit oft Spott und Anfeindungen aus der Bevölkerung ausgesetzt sind - selbst über den Fall empört sind. Es sei ihm sehr wichtig, das Vertrauen der Bevölkerung in die Repol «so rasch als möglich» wieder herzustellen.

Laut Communiqué übernimmt der Stadtrat von Zofingen «im Fall des frei gestellten Polizeichefs die politische Verantwortung». Das sei nur natürlich, sei der Stadtrat doch auch die Wahlbehörde, sagt Hottiger dazu. Man werde gewiss nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, sondern das Geschehene sehr genau analysieren und gegebenenfalls als adäquat erachtete Massnahmen einleiten.

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