Freispruch
Roller unter Laster – ein Unfall mit schwieriger Schuldfrage

Eine Rollerfahrerin geriet im März 2009 in Aesch unter einen Lastwagen. Der genaue Hergang bleibt ungeklärt. Der Lastwagenfahrer wurde beim darauffolgenden Prozess freigesprochen

Patrick Rudiin
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Unfälle mit Rollerfahrern sind heikel bei der Schuldfrage. (Symbolbild)

Unfälle mit Rollerfahrern sind heikel bei der Schuldfrage. (Symbolbild)

Keystone

«Es bleiben sehr viele entscheidende Fragen offen», resümierte Einzelrichterin Jacqueline Kiss gestern. Auch ein Augenschein brachte wenig Klärung, es kam somit zu einem Freispruch.

Der 38-jährige Lastwagenchauffeur war im März 2009 mit einem Muldentransport in Aesch in der Steinackerstrasse unterwegs und wollte in den Birkenweg einbiegen. Allerdings war die Fahrbahn in diesem Moment durch ein Auto blockiert. Der Chauffeur legte daher den Rückwärtsgang ein und wollte zurücksetzen. In diesem Moment knallte es, und im Rückspiegel sah er noch «einen Helm davonfliegen».

Nach wie vor Schmerzen

Zusammen mit einer herbeigeeilten Zeugin zog er eine Rollerfahrerin unter dem hinteren Teil seines Lastwagens hervor, diese hatte eine Gehirnerschütterung erlitten. Gestern an der Verhandlung sagte die Frau, sie habe nach dem Unfall ihre Stelle als Pflegerin verloren und könne nicht mehr voll berufstätig sein. Noch immer benötigt sie regelmässig Cortisonspritzen vor allem gegen die Schmerzen im Schulterbereich.

Gestern morgen versuchte das Gericht, den Unfall an besagter Kreuzung nachzustellen: Der Chauffeur stellte seinen Lastwagen genauso hin wie damals. Die Rollerfahrerin hingegen konnte sich an den Unfall selbst nicht mehr erinnern, eine Zeugin betonte allerdings, die Frau sei sehr langsam gefahren. Erschwert wurde die Rekonstruktion dadurch, dass das Gebiet inzwischen zur Tempo-30-Zone gehört und dadurch neue Markierungen und Parkplätze aufweist.

Fehlende Schleifspuren

Auf den Hinweis des Staatsanwaltes, dass die Lage des Fahrzeugs nicht mit demjenigen der Polizeifotos übereinstimme, parkte der Chauffeur den Lastwagen nochmals um. Doch in allen Varianten blockierte der Lastwagen mindestens die Hälfte der Kreuzung und war von der Steinackerstrasse aus problemlos zu sehen. Der Staatsanwalt ging nach dem Augenschein daher davon aus, dass die Frau mangels Aufmerksamkeit selbst in den stehenden Lastwagen gefahren ist. Das Fehlen jeglicher Schleifspuren widerlege den Verdacht, der Lastwagenfahrer habe die Frau beim Rückwärtsfahren erwischt. Er beantragte daher einen Freispruch.

Eine Verurteilung gab es dennoch: Der 38-Jährige hatte im Oktober 2008 in Reinach einen Auffahrunfall verursacht. Bei Rotlicht konzentrierte er sich auf die Strassenkarte und meinte, im Augenwinkel Grün wahrzunehmen und gab blind Gas – grün war allerdings lediglich die Ampel für die Linksabbieger, auf seiner eigenen Geradeausspur fuhr er daher auf ein vor ihm korrekt wartenden Personenwagen mit zwei Insassen auf. Dafür gab es wegen fahrlässiger Körperverletzung eine bedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 70 Franken.