Raserunfall Schönenwerd

Raser von Schönenwerd kassieren härtere Strafen

Der beschädigte VW Golf nach dem Unfall in der Nacht vom 8. November 2008.

Raser Schönenwerd

Der beschädigte VW Golf nach dem Unfall in der Nacht vom 8. November 2008.

Das Obergericht Solothurn hat am Dienstag die Strafen für die drei Raser von Schönenwerd SO verschärft. Der Hauptangeklagte wurde zu einer Freiheitsstrafe von 6 Jahren verurteilt. Die Mitangeklagten kassierten teilbedingte Freiheitsstrafen.

Beim Unfall in der Nacht auf den 8. November 2008 um 1.40 Uhr hatte eine 21-jährige Schweizerin ihr Leben verloren. Sie sass auf dem Rücksitz eines links abbiegenden Autos, in welches das vorderste der drei Raserautos prallte. Der Lenker und die Beifahrerin des Autos wurden verletzt.

Der Lenker des vordersten Raserautos – ein heute 22-jähriger Grieche – war zum Zeitpunkt der Kollision mit mehr als 100 Kilometer pro Stunde innerorts unterwegs. Nach Ansicht des Obergerichts ging dem Unfall ein Rennen voraus.

«Kräftemessen zwischen Junglenkern»

Zwischen Aarau und Schönenwerd fand ein «fahrerisches Kräftemessen zwischen Junglenkern» statt, wie Oberrichter Marcel Kamber bei der Urteilseröffnung sagte. Das Amtsgericht Olten-Gösgen war 2010 zum Schluss gekommen, dass ein Rennen nicht nachgewiesen werden könne. Der Hauptangeklagte habe seine Sorgfaltspflichten auf eine kaum mehr zu überbietende Art verletzt, hielt Kamber fest. Das Obergericht sprach den Griechen der eventualvorsätzlichen Tötung schuldig.

Die Mutter von Lorena erhofft sich vom Urteil des Solothurner Obergerichts, das nun alles vorbei sei und Ruhe einkehre

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Das Gericht verurteilte ihn zudem wegen vorsätzlicher schwerer und vorsätzlicher einfacher Körperverletzung sowie mehrfacher grober Verletzung der Verkehrsregeln. Es verhängte eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren.

Weiterzug für Angeklagte nicht gelohnt

Damit erhöhte das Obergericht die Strafe der Vorinstanz um vier Monate. Es blieb jedoch unter der Strafe von sieben Jahren, die von der Staatsanwaltschaft gefordert wurde. Die Verteidigerin plädierte auf zwölf Monate bedingt und eine Geldbusse.

Der Weiterzug vor Obergericht hat sich für die drei Angeklagten überhaupt nicht gelohnt. Für die Staatsanwaltschaft zahlte sich die Anschlussappellation hingegen aus. Nur dadurch konnte das Obergericht die Urteile des Amtsgerichts Olten-Gösgen verschärfen.

Härtere Urteile für Mitangeklagte

Insbesondere die beiden je 21-jährigen Mitangeklagten kassierten härtere Urteile. Sie waren vor Amtsgericht Olten-Gösgen einzig wegen mehrfacher grober Verletzung der Verkehrsregeln zu teilbedingten Freiheitsstrafen von 28 Monaten verurteilt worden.

Das Obergericht erhöhte die teilbedingten Freiheitsstrafen auf 36 Monate. Ein Jahr davon müssen sie im Gefängnis absitzen. Nach dem Urteil des Amtsgerichts wären es acht Monate gewesen. Das Obergericht beurteilte die Rolle der Mitangeklagten anders als die Vorinstanz.

Interview mit Oberstaatsanwalt Felix Bänziger zum Urteil des Obergerichts zu den Rasern von Schönenwerd

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Für das dreiköpfige Obergericht ist die Fahrweise des Hauptangeklagten nur so zu erklären, dass er die beiden Mitangeklagten abschütteln wollte. Das Obergericht prüfte auch eine Verurteilung wegen vorsätzlicher Tötung. Dieser Antrag der Staatsanwaltschaft wurde jedoch wie bereits vom Amtsgericht verworfen. Hingegen sprach das Obergericht den Kroaten und den Türken der fahrlässigen Tötung, der fahrlässigen schweren und der fahrlässigen einfachen Körperverletzung für schuldig.

Anträge der Verteidiger wirkungslos

Weiter wurden sie der mehrfachen groben Verletzung der Verkehrsregeln für schuldig befunden. Sie wurden zudem zu Geldbussen verurteilt. Von den teilbedingten Freiheitsstrafen werden ihnen je 29 Tage Untersuchungshaft abgezogen.

Die Anträge der Verteidiger auf je einen Freispruch und Geldbussen blieben auch vor Obergericht wirkungslos. Die Urteile des Obergerichts sind noch nicht rechtskräftig und können ans Bundesgericht weitergezogen werden.

Mutter hofft auf Frieden

Der Solothurner Oberstaatsanwalt Felix Bänziger stellte in Aussicht, dass ein Weiterzug der Staatsanwaltschaft «eher unwahrscheinlich» sei. Die Mutter des Opfers hoffte nach der Urteilseröffnung, dass die drei Raser das Urteil nicht schon wieder weiterziehen würden, damit Frieden einkehren könne.

Die drei Raser verliessen das Obergericht ohne Kommentar. In der Verhandlung hatte sich einzig der Hauptangeklagte noch zum Unfall geäussert. Dabei kam aus, dass er den Führerausweis wieder besitzt. Er darf allerdings nur Autos fahren, in die eine sogenannte Blackbox (Fahrtenschreiber) eingebaut ist. Die beiden Mitangeklagten erhielten ihre Führerausweise bislang nicht zurück.

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