Die Kantonspolizei kämpft mit ihrem Lasermessgerät gegen Tempobolzer. Innerhalb von nur drei Jahren mussten 1660 Schnellfahrer deswegen ihr «Billett» abgeben. Für die Polizei ist die Zahl eindrücklich und ernüchternd zugleich.

Michael Spillmann

Tempoexzesse im Boowald bei Murgenthal: Am Wochenende stoppte die Polizei einen Autofahrer, der mit 51 km/h zu schnell auf der Ausserortsstrecke «gefahren» war – nach Abzug der Toleranz. Zusammen mit zwei anderen Lenkern musste der fehlbare Autofahrer seinen Führerausweis an Ort und Stelle abgeben.

Bei der vierstündigen Kontrolle kam das 50 000 Franken teuere Lasermessgerät der Kantonspolizei zum Einsatz. Dieses kann das Tempo von Fahrzeugen tagsüber auf eine Distanz von bis zu 1000 Metern erfassen, zugelassen sind allerdings nur Messungen über eine Distanz von 600 Metern. Zur Kontrolle mit dem High-Tech-Gerät gehören – neben dem Polizisten, der den Laser bedient – zwei Patrouillen, die Schnellfahrer wenn nötig nach der Messung gleich aus dem Verkehr ziehen können. Das Ziel der Polizei: die rund 200 vordefinierten und berüchtigten Ausserortsstrecken mit gezielten Kontrollen überwachen und so nachhaltig Tempoexzesse vermindern.

2010 bereits über 200 «Billett»-Entzüge

Während der Laser dieser Tage bereits sein 50-jähriges Bestehen feiert, darf ihrerseits auch die Kantonspolizei ein kleines Jubiläum verbuchen. Seit drei Jahren wird ihr Lasermessgerät mit dem Namen «FG 21P» nunmehr regelmässig im Kampf gegen Tempobolzer eingesetzt. Und die Zahlen können sich sehen lassen: Seit Juni 2007 mussten nach über 760 Kontrollen insgesamt 1660 Fahrzeuglenker ihren Führerausweis abgeben. Über 600 Lenker fuhren dabei mindestens 35 km/h zu schnell. Deren «Billette» zogen die Polizisten sofort ein. In den drei Jahren hat die Kantonspolizei die Kontrollen stets intensiviert. Nachdem im Jahr nach der Einführung rund 500 Raser und Tempobolzer in die Laserfalle gegangen waren, waren es 2009 bereits über 600 Lenker. Und seit Anfang 2010 waren bereits wiederum mehr als 200 Führerausweisentzüge nötig. Der Kontrolldruck soll auch in Zukunft aufrechterhalten werden. «Es gibt aber Grenzen, denn die Einsätze sind sehr personalintensiv», erklärt dazu Kapo-Sprecher Bernhard Graser.

«Eindrücklich» und «ernüchternd»

Für die Verantwortlichen ist der Einsatz der «Laserpistole» ein Erfolg. «Die Zahl ist in der Tat eindrücklich», so Kapo-Sprecher Graser zu den 1660 «Billett»-Entzügen». Die Zahlen kommen jedoch nicht von ungefähr, verschafft sich die Polizei doch Vorteile durch die Technik. Erstens muss die Stelle nicht sichtbar entlang der Strasse postiert sein, wodurch es länger geht, bis sich potenzielle Raser übers «Buschtelefon» warnen können. Zweitens ermöglicht es die Messdistanz, Auto- und Motorradfahrer besser anzuhalten.

Im Polizeikommando ist man überzeugt, dass der Kontrolldruck – auch mit den konventionellen Radarkontrollen in der Nacht – mit Grund für die Abnahme der Anzahl Verkehrstoter und die Reduktion schwerer Raserunfälle ist. Klar ist aber auch: Das Messgerät ist keine Wunderwaffe. «Die Statistik ist auch ernüchternd», meint Bernhard Graser. Es zeige, wie auch am Tag, bei dichterem Verkehr, massiv zu schnell und rücksichtslos gefahren werde, obwohl viele über die regelmässige Überwachung im Bilde seien.

Hauptursache: Alkohol und Drogen

Beim Strassenverkehrsamt kann eine Steigerung von «Billett»-Entzügen nach Laser-Kontrollen nicht bestätigt werden. Wie Leiter Johannes Michael Baer sagt, werde keine Statistik darüber geführt, wie sich die Entzüge auf die Kontrolltypen verteilen. Und er sagt: «Bei den bis zu 5500 Ausweisentzügen pro Jahr sind Alkohol und Drogen nach wie vor die Hauptursachen.»