Birsfelden

Präsenz ja, Bürgerwehr nein

Gewalt: Gestellte Szene zum in Birsfelden brennenden Thema. (MZ-Archiv)

Gewalt

Gewalt: Gestellte Szene zum in Birsfelden brennenden Thema. (MZ-Archiv)

Die Birsfelder fühlen sich zunehmend bedroht und fürchten sich, Vorfälle und fehlbare Personen anzuzeigen. Regierungsrätin Sabine Pegoraro ruft zu «sozialer Präsenz» auf, rät aber davon ab, eine Bürgerwehr einzusetzen.

Muriel Mercier

In der Gemeinde Birsfelden herrscht grosse Unsicherheit. Regelmässig werden die Einwohner Zeugen von Gewalt, Jugendliche werden tätlich angegriffen, Fahrzeuge angezündet und Abfall liegengelassen. Die Birsfelder sind machtlos. Die lokale SVP reagierte mit abendlichen «Spaziergängen» und provozierte damit prompt den Vorwurf, eine Bürgerwehr zu schaffen (siehe auch bz vom Dienstag).

Nun schritten Gemeinde und Kanton zur Tat. Am Mittwoch setzten sich der Birsfelder Gemeindepräsident Claudio Botti, die Baselbieter Sicherheitsdirektorin Sabine Pegoraro, ihr Polizeikommandant Daniel Blumer und Thomas Faust, der kantonale Jugendanwalt, an den runden Tisch «Sicherheit». Eingeladen waren zudem Betroffene aus der Gemeinde, die mit Gewalt konfrontiert wurden.

«Sie haben uns ihre Ängste mitgeteilt», sagt Stephan Mathis von der Sicherheitsdirektion. «Da wurde uns klar, dass sich viele Leute fürchten, Strafanzeige zu erstatten.» Eltern, deren Kinder Zeuge eines Vorfalles gewesen sind, würden sich Sorgen machen, wenn das Kind die Polizei benachrichtigen wolle. «Wir haben aber aufgezeigt, dass die Polizei jedes Mal reagiert, wenn sich jemand meldet. Tut man dies aber nicht, kann auch niemand helfen», ergänzt Botti.

Ziel des Abends war es auch, aufzuzeigen, an wen man sich wenden kann, sollten Probleme auftauchen. In dieser Hinsicht wertvoll sei der gemeinsame Auftritt aller Verantwortungsträger gewesen - sowohl aus dem Bereich Schul-, Sicherheits- und Sozialbehörde. «Die Vertreter der Gemeinden und des Kantons haben gezeigt, dass sie die Anliegen der Einwohner ernst nehmen und bereit sind, die notwendigen Massnahmen umzusetzen», sagt Botti. Auch für Pegoraro selber sei es ein grosses Anliegen und eine aufschlussreiche Erfahrung gewesen, vor Ort mitzubekommen, wie sich die Menschen fühlen.

Auf die Zivilcourage setzen

Anfang April haben SVP-Mitglieder beschlossen, nachts in Birsfelden auf Patrouille zu gehen, um Jugendliche auf frischer Tat zu ertappen. Botti reagierte damals skeptisch auf dieses Vorhaben. Er fürchtete, dies könne eine neue Gewaltspirale auslösen. Passiert ist aber bis anhin nichts. Dennoch hat sich seine Ansicht nicht geändert. «Sabine Pegoraro und ich sind uns einig, dass die SVP-Aktion nichts bringt.» Einzig die Zivilcourage der Birsfelder sei wichtig. Deshalb wird von den Birsfeldern ein Verhalten gefordert, welches das Podium mit «sozialer Präsenz» umschrieb. «Alle sind aufgefordert, nicht weg-, sondern hinzuschauen.» Botti erwägt, Arbeitsgruppen einzusetzen. Denn: «Präventiv kann noch einiges unternommen werden.»

Bald auch im Leimental

Die Teilnehmer des runden Tisches in Birsfelden werden im August zum zweiten Mal zusammensitzen. Sollte die Gemeinde aber den Wunsch äussern, sich früher zu einem Gespräch treffen zu können, sei dies kein Problem. «Unser runder Tisch ist ein Gefäss, das man sofort einsetzen kann», betont Mathis.

Der erste runde Tisch «Sicherheit» fand 2005 in Liestal statt. Danach folgten Pratteln, Reinach, Laufen, Sissach und Gelterkinden. Bald soll die Diskussionsrunde auch im Leimental stattfinden. Mit dem Konzept des runden Tisches will die Sicherheitsdirektion in erster Linie die existierenden Angebote vernetzen, um bisher zu wenig genutzte Potenziale einzusetzen und so die Sicherheit im Kanton zu verbessern.

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