St. Ursen-Kathedrale
Post vom Solothurner Brandstifter: Kathedrale hatte «eine Reinigung nötig»

Dicke Post aus dem Untersuchungsgefängnis Solothurn. A.Z., der Mann, der im Januar Benzin in der Solothurner St. Ursen-Kathedrale ausgeschüttet und angezündet hat, schreibt in einem dreiseitigen Brief über seine Tat sowie seine Beweggründe.

Theodor Eckert
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Der Brandanschlag auf das Solothurner Wahrzeichen hat einen Millionenschaden angerichtet. Die aufwändigen Reparaturarbeiten sind in vollem Gang. Jetzt meldet sich der Brandstifter aus dem Gefängnis zu Wort. Offenbar hat der Feuerleger inzwischen einen neuen Pflichtverteidiger, der aber noch nicht alle Akten habe studieren können. Deshalb müsse er, A.Z., selber die Öffentlichkeit informieren.

«Ausserordentliche Massnahmen»

Der an den Regionalsender Tele M1 verschickte Brief enthält weitere brisante Aussagen. A.Z. ist der Meinung, dass «ausserordentliche Situationen ausserordentliche Massnahmen erfordern.» Dies bezieht er nicht zuletzt auf seine «Eisenbahn-Terror-Idee». Er verfüge über Fachwissen bezüglich Sicherheit der Eisenbahnen. Da bestünden Mängel und es herrsche Gleichgültigkeit.

Das führte zu seiner «Gotteswahn-Kampfwesten-Performance auf der Gotthardstrecke: A.Z. erschreckt mit einer Bombenattrappe die SBB und ihre Fahrgäste. Da diese Aktion weder positive noch negative Folgen hatte, «sah ich mich genötigt, mit meiner Fegefeuer-Performance in der St. Ursen-Kathedrale noch deutlicher zu werden.»

«Dieses kerzenverrusste Solothurner Kulturdenkmal hatte schon lange eine zünftige Reinigung nötig. Eine Bischofsweihe war geplant. Eine bessere Gelegenheit, Gläubige zum Denken und etwas mehr Vernunft zu bringen, bietet sich nicht so schnell wieder.» Bei seiner Selbsteinschätzung kommt der Mann zum Schluss, dass er sich weder als psychisch angeschlagen, noch geistig verwirrt fühle, obwohl er eine Tempelreinigung provoziert habe.

Das sagt der Psychiater

Der Leitende Arzt Forensische Psychiatrie an der Klinik Königsfelden, Josef Sachs, hat den Brief gelesen. Auf Anfrage bestätigt er, dass er formal völlig normal verfasst sei und der Schreiber klar denken könne. Allerdings fühle dieser sich in seiner eigenen Welt unverstanden und könne nicht begreifen, weshalb er nicht verstanden werde. Der Mann habe ein eigenes Koordinatensystem entwickelt. Das komme sowohl bei den vermeintlichen Mängeln bei der SBB-Aktion als auch beim Brandanschlag zum Ausdruck: «Er sieht sich als Retter, das sind messianische Züge.» Dass der Mann nun einen Brief verfasst hat, erstaunt den Psychiater nicht. Das sei eine Zeiterscheinung. Das Mitteilungsbedürfnis sei allgemein gross. Es sieht darin einen verzweifelten Versuch der gängigen Interaktion.

Und was sagt der vom Anschlag betroffene Kirchgemeindepräsident ? Karl Heeb hat keine Zeit auf den Attentäter hässig zu sein, er habe so viel zu tun mit den Bauarbeiten. Verzeihen müsse er dem Mann nicht, da A.Z. nicht um Verzeihung gebeten habe.

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