Auf Videos ist zu sehen und hören, wie der Attentäter immer wieder "Allahu Akbar" - Gott ist gross - ruft, nachdem Karlow zusammengebrochen ist. Der Attentäter wurde anschliessend von Spezialkräften getötet.

Auf einem Video ist zu sehen, wie der in schwarzem Anzug und Krawatte gekleidete Täter zunächst hinter dem Diplomaten steht und dann auf diesen schiesst. Nach offiziellen Angaben wurden drei weitere Besucher der Ausstellung bei dem Attentat verletzt, darunter ein Ausländer.

In Ankara wurde der russische Botschafter niedergeschossen.

In Ankara wurde der russische Botschafter niedergeschossen.

Beim Attentäter handelte es sich laut Innenminister Süleyman Soylu um einen 22-jährigen Polizisten, der seit zweieinhalb Jahren in der Hauptstadt eingesetzt gewesen sei. Es werde untersucht, welche Verbindungen er gehabt habe.

Russland und die Türkei sprachen von einem Terrorakt. Die Präsidenten Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan bezeichneten das Attentat übereinstimmend als Provokation, die das zwischenstaatliche Verhältnis stören soll.

"Wir müssen wissen, wer die Hand des Mörders führte", sagte Putin der Agentur Interfax zufolge in Moskau. Als Antwort auf den Mord werde Russland seinen Kampf gegen den Terror verstärken. "Die Banditen werden es zu spüren bekommen."

Islamistische Parolen

Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand. Unmittelbar nach den Schüssen rief der Angreifer zunächst auf Arabisch: "Wir sind diejenigen, die dem Propheten Mohammed Treue und dem Dschihad Treue schwören." Diesen Satz rufen auch syrische Islamisten, wenn sie ins Gefecht ziehen.

Zudem rief der Attentäter auf Türkisch "Vergesst nicht Aleppo" und "Vergesst nicht Syrien", während er neben dem leblos auf dem Boden liegenden 62-Jährigen herumläuft. Wer für die Grausamkeiten verantwortlich sei, werde bezahlen.

Russland und die Türkei unterstützen in Syrien unterschiedliche Seiten: Während die Moskauer Regierung hinter Präsident Baschar al-Assad steht, hat die Türkei bestimmten Rebellengruppen geholfen. Russische Luftangriffe haben zuletzt eine zentrale Rolle dabei gespielt, dass Assad-Truppen in der lange umkämpften Stadt Aleppo über die Aufständischen siegten.

Die Rivalität zwischen Russland und der Türkei hat über lange Zeit zu erbittertem Streit zwischen beiden Seiten geführt. Zuletzt kam es jedoch zu einer Annäherung: Am Dienstag sind in Moskau Syrien-Beratungen beider Länder sowie des Iran geplant. Russischen Parlamentariern zufolge sollen die Gespräche trotz des Anschlags stattfinden.

Weltweite Erschütterung

Die Tat löste weltweit Bestürzung aus. "Ich war zutiefst erschüttert, von dem unfassbaren Angriff auf Botschafter Andrej Karlow heute Nachmittag in Ankara zu hören", schrieb die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini in einer Botschaft an den russischen Aussenminister Sergej Lawrow.

Die USA verurteilten das Attentat scharf. "Der abscheuliche Angriff auf ein Mitglied des diplomatischen Korps ist unakzeptabel", erklärte ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates. "Wir sind mit Russland und der Türkei in der Entschlossenheit vereint, Terrorismus in jeglicher Form zu begegnen."

Auch die deutsche Regierung verurteilte den tödlichen Angriff "auf das Schärfste". Es handle sich um eine "sinnlose Tat", schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert im Kurzbotschaftendienst Twitter. Auch die Regierungen in London und Paris sowie die Vereinten Nationen (UNO) zeigten sich bestürzt.

Das mit Russland verbündete Syrien sprach von einem "feigen Angriff" und "abscheulichen Verbrechen". Dieses zeige die Notwendigkeit, "alle Massnahmen zu ergreifen, um den Terrorismus zu bekämpfen", erklärte das Aussenministerium in Damaskus.