Nach Angaben des Innenministeriums in Pristina trafen die Sicherheitskräfte bei dem Einsatz gegen organisierte Kriminalität am Dienstag auf "bewaffneten Widerstand". Nach Polizeiangaben wurden 19 Polizisten und neun weitere Menschen festgenommen. Ihnen werden unter anderem Schmuggel, organisierte Kriminalität, Bestechung und Amtsmissbrauch vorgeworfen.

Sieben weitere Festnahmen betrafen demnach Menschen, die die Polizei "an der Ausübung ihrer Aufgaben gehindert" hätten. Fünf Polizisten wurden bei dem Einsatz verletzt, zwei von ihnen durch Schüsse. Die anderen drei erlitten ihre Verletzungen nach Polizeiangaben, als sie Strassensperren entfernten.

Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden bei dem Polizeieinsatz auch zwei ihrer Mitarbeiter festgenommen und leicht verletzt. Sie seien "zur Behandlung ihrer Verletzungen in ein Spital gebracht worden", hiess es in einer Erklärung der Uno-Mission im Kosovo (Unmik).

Bei einem der beiden festgenommenen Uno-Mitarbeiter soll es sich um einen Russen handeln. Kosovos Präsident Hashim Thaci warf ihm vor, er habe "als Diplomat getarnt" versucht, die Polizei an der Ausübung ihrer Pflichten zu hindern.

Russisches Aussenministerium reagiert

Das russische Aussenministerium verurteilte die Festnahme als "unerhörten Vorfall", durch den die "provozierende Linie" der Führung des Kosovo erneut sichtbar werde. Die internationalen Schutzmächte Pristinas müssten auf die radikalen Kosovo-Albaner einwirken, um eine weitere Eskalation des Konflikts mit unvorhersehbaren Folgen zu verhindern. Nach Angaben der kosovarischen Behörden ist der russische Uno-Mitarbeiter inzwischen wieder auf freiem Fuss.

Russland ist der Hauptverbündete des Nachbarlandes Serbien, das die Unabhängigkeit des Kosovo nicht anerkennt.

Im Nordteil von Kosovska Mitrovica, dem Zentrum des serbisch bevölkerten Landesteils, betätigten serbische Bürger die Sirenen, als sie das Kommando der Sonderpolizei in den frühen Morgenstunden anrücken sahen.

Polizei und Armee in Serbien im Bereitschaftszustand

Der serbische Präsident Aleksandar Vucic versetzte Polizei und Armee im benachbarten Serbien in den Bereitschaftszustand. "Das Ganze dient nur dazu, das serbische Volk (im Nordkosovo) einzuschüchtern", erklärte Vucic am Dienstag in Belgrad. Die Serben, die dort viel gewohnt seien, hätten zunehmend Angst.

Der kosovarische Ministerpräsident Ramush Haradinaj teilte über Twitter mit: "In den nördlichen Gemeinden des Kosovos sind Operationen gegen das Schmuggelwesen und die organisierte Kriminalität im Gange, als Teil unseres Bestrebens, den Rechtsstaat für alle durchzusetzen."

Im Nordteil von Mitrovica und drei weiteren Gemeinden, die unmittelbar an Serbien grenzen, regieren von Belgrad unterstütze Machtstrukturen mit engen Verbindungen zur Mafia. Obwohl das Gebiet zum Kosovo gehört, haben die kosovarischen Behörden dort keine entscheidende Präsenz. Massnahmen zur Strafverfolgung können dort in der Regel nur im Rahmen grossangelegter Razzien erfolgen.

Das Kosovo ist heute zu mehr als 90 Prozent von Albanern bewohnt. Die ehemals serbische Provinz hatte sich nach einem bewaffneten Aufstand und mit Hilfe einer Nato-Intervention 1999 von Belgrad abgespalten und 2008 für unabhängig erklärt. Serbien hat dies nie anerkannt und betrachtet seine ehemalige Provinz weiterhin als eigenes Staatsgebiet.