Wohlen

Pädophiler Lehrer steht bald auf der Schwarzen Liste

Der wegen sexuellen Missbrauchs eines Schülers inhaftierte Wohler Lehrer wird kaum wieder Schule geben können. Er muss damit rechnen, dass ihm die Lehrberechtigung entzogen wird und er auf die schweizweit geltende Schwarze Liste kommt.

Toni Widmer

Noch fehlt sein Name auf der Schwarzen Liste der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK). Es ist allerdings lediglich eine Frage der Zeit, bis der Name des wegen sexuellen Missbrauchs eines Schülers verhafteten Wohler Lehrers dort vermerkt sein wird. Auf dieser Liste sind alle Lehrpersonen eingetragen, denen im Rahmen eines kantonalen Entscheides die Unterrichtsberechtigung entzogen worden ist. Damit muss der 53-jährige Lehrer rechnen. Das Aargauer Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) dürfte die dazu nötigen Schritte demnächst einleiten. Ein rechtskräftiges Urteil muss dabei laut Auskunft aus dem BKS nicht zwingend abgewartet werden.

Nicht von heute auf morgen

Auf die Schnelle kommt auch bei groben Vergehen niemand auf die Liste. «Wir leben in einem Rechtsstaat und haben die ordentlichen Abläufe einzuhalten», erklärt dazu Irène Richner-Schellenberg, Leiterin Kommunikation im BKS. Das bedeute, dass auch im Fall Wohlen zwingend ein Verwaltungsverfahren einzuleiten sei.

«Jede betroffene Lehrkraft muss das Recht haben, sich gegen den Eintrag auf die ‹Schwarze Liste› zu wehren», sagt Richner. Erste Beschwerdeinstanz sei der Regierungsrat, zweite Instanz das Aargauer Verwaltungsgericht und letzte Instanz das Bundesgericht. Auf der Liste eingetragen werden könne eine Lehrperson erst, wenn ein BKS-Beschluss rechtskräftig geworden sei. Und: Auskunft zu Einträgen gibt es nur auf begründete Gesuche und nur für Amtspersonen.

Tätig wird das Departement Bildung, Kultur und Sport grundsätzlich auf Antrag der Anstellungsbehörden. So, wie es im Schulgesetz unter Paragraph50a vorgesehen ist: «Die Anstellungsbehörde meldet dem zuständigen Departement Lehrpersonen, deren persönliche oder fachliche Eignung für das Erteilen eines genügenden Unterrichts infrage gestellt ist.» Als Gründe werden im Gesetz aufgeführt der Verlust der Handlungsfähigkeit, die Verurteilung der Lehrperson wegen eines Delikts, das sie nach Art und Schwere der Tat sowie dem Verschulden als nicht mehr vertrauenswürdig erscheinen lässt, dass durch das Verhalten der Lehrperson wiederholt die Sicherstellung des ordentlichen Schulbetriebs ernsthaft gefährdet ist oder eine Lehrperson sonst offensichtlich unfähig ist, genügenden Unterricht zu erteilen.

Wie erwähnt ist für die Einleitung eines Verfahrens im Wohler Fall nicht grundsätzlich eine rechtskräftige Verurteilung erforderlich: «Was wir sicher brauchen, sind handfeste Beweise von einer Amtsstelle», sagt Irène Richner.

Schwarze Liste löst Problem nicht

Auch wenn er noch nicht auf der Schwarzen Liste eingetragen ist, dürfte der geständige 53-Jährige nach einer allfälligen Entlassung aus der Untersuchungshaft kaum wieder eine Stelle als Lehrer finden. «Wir legen den Anstellungsbehörden dringend ans Herz, alle Bewerbungen sorgfältig zu prüfen und entsprechende Referenzen einzuholen. So können allfällige Problem-Lehrpersonen auch ohne Schwarze Liste entdeckt werden», rät die BKS-Kommunikationschefin.

Das sieht Res Wirz, Gesamtschulleiter in Aarau, genau so: «Ich erachte es als äusserst wichtig, Bewerbungen seriös zu prüfen. Vom BKS gibt es zum entsprechenden Vorgehen einen guten Leitfaden.» Wer sorgfältig prüfe, sagt Wirz, entdecke mit hoher Wahrscheinlichkeit allfällige Lücken und Ungereimtheiten in einem Lebenslauf und könne darauf gestützt weitere Abklärungen treffen. Er rate ferner, bei Unsicherheit und «schlechtem Bauchgefühl» lieber auf eine Anstellung zu verzichten und eine Stellenlücke eine gewisse Zeit mit internen Lösungen zu überbrücken.

Auch für Verena Buol Lüscher, Präsidentin der Vereinigung Aargauer Schulpflegepräsidentinnen und -präsidenten, ist die Schwarze Liste nicht die Lösung aller Probleme: «Ich appelliere zu professionellem Arbeiten in Bewerbungsverfahren. Nur damit lassen sich Fehlbesetzungen vermeiden.» Wie Res Wirz vertraut auch Verena Buol im Zweifelsfall lieber auf interne Überbrückungslösungen: «Ich würde auch beim grössten Engpass keine Lehrperson contre cœur anstellen.»

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