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Nur eine Stange und kein Zug fährt

Marktplatz: Die Stadtpolizisten Julien Lischer (links) und Benjamin Fusina während der letzten Schicht vor den Sommerferien.

Marktplatz

Marktplatz: Die Stadtpolizisten Julien Lischer (links) und Benjamin Fusina während der letzten Schicht vor den Sommerferien.

Kein wildes Geballer, keine spektakulären Festnahmen, nada, nichts. Während der Nachtpatrouille der Stadtpolizei bleiben die Waffen (meistens) im Halfter. Gefragt sind viel Information und Kommunikation.

Sebastian Wendel

Vorsichtig fährt das rote Auto an die rechte Strassenseite und stoppt. Seit Minuten verfolgt die Nachtpatrouille der Stadtpolizei Grenchen das Gefährt. Nun wird die Lenkerin aufgefordert anzuhalten. Julien Lischer und sein Kollege Benjamin Fusina verteilen sich an beide Seiten des Wagens, als die Fahrerin das Fenster öffnet.

Fahrzeugpapiere und Führerausweis werden von Lischer kontrolliert, während Fusina den Beifahrer und das restliche Geschehen im Auto überwacht. Lischer fragt die Fahrerin nach ihrem Alkoholkonsum. «Eine Stange vorher im Ausgang.» Trotzdem wird ein Alkoholtest durchgeführt, der für beide Seiten zufriedenstellend verläuft.

Dies alles geschieht kurz nach Mitternacht auf der Rückfahrt von Selzach nach Grenchen. Eine Dreiviertelstunde vorher, die Polizisten laufen gerade den Grenchner Marktplatz ab, ertönt via Polizeifunk Alarm. Im Industriegebiet Selzach werde eingebrochen. Blitzschnell rennen die Beiden zum Auto und brausen davon.

Mit Blaulicht, Sirene und viel Geschick lenkt Lischer durch die Innenstadt. Ich, der wohl noch nie so schnell in Selzach war, klammere mich an der Türe fest, während Fusina und Lischer weitere Informationen von der Alarmzentrale erhalten und das Vorgehen am Tatort besprechen. Sie treffen als Erste der Aufgebotenen ein. Nun ist besondere Vorsicht verlangt. Lischer und Fusina verlassen das Auto Richtung Zielgebäude. Nach Eintreffen der Kantonspolizei und gemeinsamer Lagebesprechung ist der Einsatz am Tatort beendet. Die Fahrt führt zurück ins heimische Revier.

Julien Lischer arbeitet seit sechs Jahren bei der Stadtpolizei. Er, der auch in Grenchen wohnt, empfindet dies als Vorteil. Man könne sich situationsspezifisch vorbereiten, wenn man Personen und Umfeld kenne. Ähnlich argumentiert sein Kollege Benjamin Fusina, seit dreieinhalb Jahren Polizist. Er betont, dass er als Polizist konsequent handeln müsse, egal wer vor ihm steht. Nur so verschaffe er sich den nötigen Respekt und könne sich auch als Privatmensch unters Grenchner Volk mischen.

Seit vier Uhr nachmittags sind die Beiden nun schon auf Streife, und bis auf den Zwischenfall in Selzach verlief die Schicht bisher ruhig. Am Bahnhof Nord wartet zu später Stunde eine leicht verwirrte Frau auf einen Zug, der aber laut Fahrplan nicht mehr kommen wird. Lischer und Fusina versuchen sie, in einem Hotel unterzubringen. Diese haben bereits geschlossen. Die Frau will nun per Anhalter an ihr Ziel gelangen, was ihr Lischer auszureden versucht.

Nach einem kurzen Zwischenstopp auf dem Posten, wo der Vorfall in Selzach protokolliert wird, platzieren sich die Stadtpolizisten bei der Coop-Tankstelle und führen Verkehrskontrollen durch. Laut Fusina ist bei jedem zweiten angehaltenen Lenker irgendein Mangel feststellbar. Dieses Mal erwischt es einen Fahrer mit ungenügendem Reifenprofil sowie einen, der nicht angeschnallt gestoppt wurde.

Ruhig, aber bestimmt erwidern die Polizisten die Ausredeversuche der Betroffenen, worauf diese ihr Vergehen einsehen. Das Schichtende naht, und auf der Rückfahrt zum Polizeiposten steigert sich die Stimmung noch einmal merklich. Kein Wunder, Julien Lischer und Benjamin Fusina verabschieden sich nach getaner Arbeit in ihre Sommerferien.

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