Brand
Nach einer Nacht alles verloren

Nur gerade einen Tag konnte der neu eingezogene Stephan Kronenberg sein Zuhause geniessen. «Ich habe alles verloren», so der 24-Jährige. Der Gesamtschaden beträgt 1,5 Millionen Franken.

Merken
Drucken
Teilen
Stephan Kronenberg

Stephan Kronenberg

Aargauer Zeitung

Michael Spillmann

Sorgfältig stochern die Brandermittler der Polizei gestern Morgen in der Brandruine herum. Schliesslich machen sie einen Elektroofen als Ursache für das Feuer aus, das am Dienstag das Mehrfamilienhaus an der Alten Muristrasse zerstört hat. Hinter dem Absperrband steht der 24-jährige Stephan Kronenberg. Geschlafen hat er nicht viel. In den Flammen verbrannte sein ganzes Hab und Gut. Alles, was ihm geblieben ist, trägt er auf sich: sein Portemonnaie und das Handy.
Am Montag - nur gerade einen Tag vor dem grossen Feuer - zügelte der Hochbauzeichner vom Elternhaus in sein neues Heim. «Ich wollte mit einem Kollegen zusammenziehen», sagt Stephan Kronenberg. Jetzt ist alles zerstört, der junge Boswiler ging noch in der Brandnacht zurück zu seiner Familie.

Anruf rettete Bewohner

Der 24-Jährige wollte noch am Dienstagabend ein Sofa abholen. Als er von seinem WG-Kollegen übers Handy angewiesen wurde, vor dem Haus zu warten, verliess er die neu eingerichtete Wohnung in den Treppengang, der bereits mit Rauch gefüllt war. Stephan Kronenberg: «Ich hätte sonst wohl nichts gemerkt. Draussen sah ich dann die Flammen in der Wohnung unter uns und alarmierte die Feuerwehr.» Auch alle anderen Bewohner konnten sich in Sicherheit bringen. Der junge Mann hoffte zunächst, dass die Feuerwehr die Flammen rasch löschen könnte. Aber: «Fünf Minuten später stand das Haus in Vollbrand.»

Im Hotel untergebracht

Auf der Strasse vor der Brandruine stösst gestern Vormittag Nachbar Jürg Imhof dazu. In seiner Wohnung brach das verhängnisvolle Feuer aus. Während dieser Zeit sass er im nahen Gasthaus Sternen nichtsahnend beim Feierabendbier. «Ich bin froh, dass niemand verletzt wurde.» Der 32-jährige Metallbauschlosser trägt am Tag nach dem Feuer noch immer seine Arbeitskleider: «Das ist alles, was ich noch habe.» Im Gasthaus, wo der Boswiler noch in der Nacht untergebracht wurde, trifft er beim Mittagessen ein weiteres Opfer des Feuers.

«Es ist wie ein Neuanfang»

«Immerhin konnte ich meinen Hund Jacky in Sicherheit bringen. Eine Katze habe ich gefunden, die andere muss ich noch suchen», schildert Robert Scherer. Der 41-Jährige ist zurzeit arbeitslos - und jetzt steht er vor seiner ausgebrannten Wohnung. Mit seinem Sohn, der ihn regelmässig besuchen kommt, hat er eine Werkstatt eingerichtet. Dort haben sie unlängst das Pocket-Bike des Sohnes neu lackiert. «Es ist alles zerstört. Ich kann es gar nicht richtig fassen. Es ist wie ein Neuanfang.»