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Nach Brand in Klingnau: So läuft die Nothilfe

Nach Brand: So läuft die Nothilfe

Nach Brand: So läuft die Nothilfe

Die 22 Personen, die beim Grossbrand in der Klingnauer Altstadt vor einer Woche Hab und Gut verloren haben, werden von der Gemeinde intensiv betreut. Für das Allernotwendigste ist gesorgt. Der Schock aber ist noch nicht überwunden.

Angelo Zambelli

Vizeammann Josy Wenger und Roland Suter, stellvertretender Klingnauer Gemeindeschreiber, hatten in den letzten Tagen bei-de Hände voll zu tun. Noch am Brandtag galt es, eine Unterkunft für die obdachlos gewordenen Menschen zu finden. Ein Teil konnte in Hotels einquartiert werden, ein Teil kam bei Verwandten und Bekannten unter. Eine Portugiesen-Gruppe bezog schon nach kurzer Zeit eine neue Wohnung an der Klingnauer Sonnengasse, die anderen Portugiesen fanden eine provisorische Bleibe in der Zivilschutzanlage Döttingen.

Josy Wenger und Roland Suter mussten aber auch dafür sorgen, dass die Brandopfer mit dem Nötigsten des täglichen Lebens ausgestattet wurden, weil sie beim Brand praktisch alles verloren hatten. Zahnbürsteli und Zahnpasta, Duschmittel und vieles andere mehr mussten besorgt werden.

Bohnengericht zum Zmittag

Maria dos Dores Ferreira kocht am Freitagmittag in der Zivilschutzanlage im Untergeschoss des Döttinger Schulhauses Bogen für ihre Landsleute
ein portugiesisches Gericht. Josy Wenger und Roland Suter werden freudig begrüsst: Sie bringen regelmässig Lebensmittel vorbei. Beim Besuch ist schnell ersichtlich, dass die beiden Frauen trotz der Sprachbarrieren ganz gut miteinander kommunizieren können: Sie reden mit Händen und Augen – und mit dem Herz. «Es ist schön, wenn man Menschen in Not helfen kann», sagt Josy Wenger. «Aber es ist auch belastend, wenn ich sehe, wie die Leute Mühe haben, das Erlebte zu verarbeiten.»

«Die Solidarität mit den Betroffenen ist gross», erzählt Roland Suter. «Die Gemeinde Döttingen engagiert sich stark, ebenso die Kirchgemeinden und der gemeinnützige Frauenverein Klingnau.» Von Herzen kam auch eine Geste des Motorradgeschäfts Werner Keller AG in Siggenthal Station, das eine grosse Kiste mit fabrikneuen Kleidern zur Verfügung stellte. Hilfsangebote aus allen Regionen des Kantons seien eingegangen, sagen Josy Wenger und Roland Suter. «Leider können wir nicht alle Angebote annehmen, weil uns der Raum zur Lagerung fehlt», bedauert Josy Wenger. Im Übrigen achte sie darauf, dass sich die vom Brand Betroffenen so weit wie möglich selber helfen.

Hilfe bei der Wohnungssuche

Maria dos Dores Ferreira streckt Josy Wenger einen Zettel mit einer Adresse und einer Telefonnummer hin: Sie habe eine Wohnung gefunden, radebrecht die Portugiesin, wäre aber sehr froh, wenn sie nicht anrufen und die Bedingungen für eine Miete aushandeln müsste. Natürlich wird Josy Wenger anrufen und alles Notwendige veranlassen, damit die Gruppe die Zivilschutzanlage so bald wie möglich verlassen und eine Wohnung beziehen kann.

Nachdem Josy Wenger und Roland Suter in der Grossküche der Zivilschutzanlage alle Lebensmittel ausgepackt haben und sich verabschieden wollen, legt Maria dos Dores Ferreira den Kochlöffel beiseite, stellt sich neben Josy Wenger und gibt ihr mit einer Geste zu verstehen, dass sie auch Tage nach dem Grossbrand immer noch sehr aufgeregt sei: Josy Wenger nimmt die Portugiesin in den Arm und flüstert ihr ins Ohr: «Nur Mut, Maria, das wird schon wieder gut.»

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