Räuber
Nach acht Jahren zur Kasse gebeten

Aus der U-Haft entlassen, war ein Portugiese flugs in sein Heimatland entschwunden. Fast acht Jahre später ist er hier Grenzwächtern in die Arme gelaufen.

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Portugiese gefasst

Portugiese gefasst

Aargauer Zeitung

Drei von vier Beschuldigten hatte das Bezirksgericht Zurzach im August 2002 verurteilt: Einer wurde in eine Arbeitserziehungsanstalt eingewiesen, einer zu 10 Monaten bedingt und der dritte zu 3 Jahren Zuchthaus verurteilt.

Der Vierte im Bunde fehlte. Gemeinsam mit den anderen hatte er im Januar 2001 im unteren Aaretal aus dem Keller eines Mehrfamilienhauses sowie aus dem Abstellraum eines Restaurants Wein, zwei Paar Stiefel, zwei Autoverstärker, ein Mischpult und einen Endverstärker geklaut. Eine Woche später war das Quartett ins Fricktal gefahren und hatte ein Velogeschäft heimgesucht. Filipo hielt dem Händler eine Softgun-Pistole an den Kopf und forderte Geld. Das Opfer gab 90 Franken heraus, mehr fanden die Räuber nicht. Schliesslich überfielen sie in Zürich auf offener Strasse einen Mann und spritzten ihm Pfefferspray ins Gesicht, machten dann aber keine Beute.

Der heute 33-jährige Filipo (Name geändert) wurde Ende März dingfest gemacht, sass fünf Wochen in U-Haft und wurde dann entlassen mit der Auflage, sich jede Woche beim Bezirksamt zu melden. Filipo indes, der mit seiner Familie 1988 in die Schweiz gekommen war, zog es vor, umgehend nach Portugal zu verduften. Dorthin waren seine Eltern heimgekehrt, während die Geschwister hier geblieben waren.

In Koblenz gestoppt

Am 30. Januar dieses Jahres indes wurde Filipo am Grenzwachtposten Koblenz angehalten: Er war noch immer zur Verhaftung ausgeschrieben. Und nach zwei Monaten in Sicherungshaft stand er am Donnerstag dort, wo er im August 2002 hätte stehen sollen: vor Bezirksgericht Zurzach. Angeklagt des mehrfachen qualifizierten Raubes sollte er laut Staatsanwalt zu 21/2 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt werden.
Der Verteidiger plädierte für milde 10 Monate bedingt: Filipo sei, im Gegensatz zum Haupttäter, nie ein wirklich böser Junge gewesen, sondern nur Mitläufer, habe vor und nach den Delikten immer brav gearbeitet. Zudem habe er sich nun acht Jahre lang wohl verhalten.

Filipo selber sagte, er sei nur auf die schiefe Bahn geraten, weil er damals vorübergehend in einem finanziellen Engpass gesteckt habe. Er habe sich danach geschämt, Depressionen gehabt und deshalb die Schweiz mit Ziel Portugal verlassen. In seiner Heimat habe er die ganze Zeit gearbeitet, sei vor drei Jahren mit seiner Freundin zusammengezogen und wolle sein künftiges Leben auch in Portugal verbringen. In die Schweiz sei er im vergangenen Dezember nur gekommen, um seinem Vater, der finanziell tief in der Klemme steckte, besser unter die Arme greifen zu können.

Ahnungsloses Migrationsamt

Filipos Bruder hatte ihm hier einen Job vermittelt, das Migrationsamt erteilte ihm für drei Monate eine Arbeitsbewilligung: Offensichtlich war nicht bis zu diesem vorgedrungen, dass der Portugiese zur Verhaftung ausgeschrieben war . . . Das Gericht unter Vorsitz von Cyrill Kramer sprach den 33-Jährigen in einigen inzwischen verjährten Nebenpunkten frei, ansonsten aber schuldig gemäss Anklage und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von 21/4 Jahren. Der grösste Teil davon, 21 Monate, wird ihm bedingt entlassen, 6 Monate muss er absitzen, wobei ihm die gegen 100 Tage Untersuchungs- und Sicherungshaft angerechnet werden.