Lehrer
Missbrauch: Wohler Lehrer kommt vorläufig nicht auf schwarze Liste

Ein Wohler Oberstufenlehrer hat zugegeben, während seiner Tätigkeit in Merenschwand in den 1990er-Jahren einen Schüler missbraucht zu haben. Der 53-jährige Heilpädagoge sitzt in U-Haft. Auf die schwarze Liste kommt er aber vorläufig nicht - trotz Geständnis. Für den Eintrag ist ein rechtskräftiges Urteil nötig. Das bedeutet, dass er bis zu einer allfälligen Verurteilung wieder als Lehrer arbeiten könnte.

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Toni Widmer,
Michael Spillmann

Täter weitgehend geständig

Grund dafür, dass die Sache erst jetzt ans Tageslicht kommt, ist der Geschädigte. Der heute 27-jährige Mann habe während Jahren nicht über die damaligen Geschehnisse sprechen können, sei jetzt aber mit deren Aufarbeitung beschäftigt. Vor zehn Tagen hat das Opfer bei der Polizei Anzeige erstattet, seit Montag, 8.März, sitzt der geständige Täter in Haft.

Brief aus der U-Haft

Klar ist aber: Der geständige Lehrer hat aus der U-Haft einen Entschuldigungsbrief geschrieben. Darin bereut er gegenüber der Schule, dem Lehrerteam und seinem Vorgesetzten Rolf Stadler, dem Leiter der Oberstufe Bünzmatt, die zugegebenen Missbrauchsfälle.

Für die Klärung überlassen die Behörden nichts dem Zufall: Die Schulleitung liess im Schul-Computersystem das Privatprofil des Lehrers durchsuchen. Sie haben eine Hotline für Schüler und Eltern eingerichtet. Gestern Morgen haben die Lehrer im Schulzentrum ihre Klassen über die Verhaftung informiert. Die Schüler erhielten zudem ein Schreiben für ihre Eltern. Wie der Schulpflegepräsident sagte, gab es bereits Reaktionen. Dabei habe es sich aber um «Mutmassungen» gehandelt. Die Schulbehörden wollen nun die Informationen zusammentragen.

Ausbildung abgeschlossen

Die Behörden informierten auch über den Werdegang des inhaftierten Lehrers. Nachdem dieser ein Jahr in Wohlen unterrichtet hatte, äusserte er den Wunsch, eine Ausbildung zum schulischen Heilpädagogen zu machen.

Sein Vorgesetzter Rolf Stadler sagte, dass der Lehrer bereits während dieser Ausbildung – die er in Zürich machte – «schulisch Schwächere» betreute. Dies sei entweder in der Klasse, in Gruppen oder alleine mit dem Schüler geschehen.

Lehrer kommt vorläufig nicht auf schwarze Liste

Obwohl der Lehrer geständig ist, kommt er vorläufig nicht auf die schwarze Liste. Dafür braucht es ein rechtskräftiges Urteil. Derzeit sitzt er noch in U-Haft. Es wird abgeklärt, ob es noch zu weiteren Übergriffen gekommen ist.

Da der Lehrer vorläufig nicht auf die schwarze Liste kommt, kann er grundsätzlich in einer anderen Gemeinde wieder als Lehrer arbeiten. Dies hiess es heute Morgen im Regionaljournal Aargau/Solothurn von Seiten der kantonalen Bildungsdirektion.

Die Ausbildung zum schulischen Heilpädagogen schloss der 53-jährige Lehrer vor genau zehn Tagen ab – drei Tage vor seiner Verhaftung wegen sexuellen Missbrauchs. Im Zusammenhang mit der Vorgeschichte des geständigen Lehrers äusserte der Schulleiter gestern öffentlich Bedenken bezüglich der Beweggründe für die getätigte Weiterbildung des Lehrers. Schulpflegepräsident Franco Corsiglia fügte an: «Wir setzen alles daran, um Geschehnisse – wenn es diese denn gibt – ausfindig zu machen. Wir haben nicht zu verbergen.»

Für betroffene Eltern und Schüler hat die Schule Wohlen eine Hotline eingerichtet: 056 619 92 15

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