Messerattacke
Messerattacke löste Schüsse aus

Der Mann, der von der Kantonspolizei in seiner Wohnung angeschossen wurde, war betrunken und hatte gedroht, sich umzubringen. Schliesslich richtete er sein Messer aber gegen die Polizei.

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Tatort Wohlen

Tatort Wohlen

Aargauer Zeitung

Alois Felber

Was ist am Montag am Sorenbühlweg 39 in Wohlen genau passiert? - Nach der Polizeiaktion, bei der ein Bewohner des Mehrfamilienhauses angeschossen wurde, erklärten Kantonspolizei und Bezirksamt gestern, wie es dazu gekommen war.

Laut Kripo-Chef Urs Winzenried hatte eine 31-jährige Serbin bereits um 19.55 Uhr einen Notruf aus der Wohnung ihrer Nachbarin abgesetzt. Dorthin hatte sie sich mit ihrer dreijährigen Tochter geflüchtet, weil sie sich von ihrem 30-jährigen Ehemann bedroht fühlte. Dieser war nach einem Nachmittag im Schwimmbad völlig betrunken nach Hause gekommen und hatte gedroht, sich mit einem grossen Rüstmesser umzubringen.

Er drohte, herunterzuspringen

In der Annahme eines Falls von häuslicher Gewalt rückte zunächst die Regionalpolizei Wohlen zum Sorenbühlweg aus. Die Polizisten mussten sich aber zurückziehen, als sie vom Familienvater mit dem Rüstmesser bedroht wurden. Der Mann schloss sich ausserdem in seiner Wohnung ein. Deshalb wurde Verstärkung angefordert.

3. Fall in 7 Monaten Nach dem Fall des Amokschützen von Buchs und dem Postraub in Riniken haben Aargauer Polizisten zum dritten Mal innert sieben Monaten Schusswaffen eingesetzt und jemanden verletzt. Kripo-Chef Urs Winzenried entkräftete allfällige Vorwürfe proaktiv: «Die Aargauer Kantonspolizei ist nicht schiesswütig.» Es handle sich nur um eine zufällige Häufung von Fällen, in denen Polizisten in Notwehrsituationen geraten seien. (alf)

3. Fall in 7 Monaten Nach dem Fall des Amokschützen von Buchs und dem Postraub in Riniken haben Aargauer Polizisten zum dritten Mal innert sieben Monaten Schusswaffen eingesetzt und jemanden verletzt. Kripo-Chef Urs Winzenried entkräftete allfällige Vorwürfe proaktiv: «Die Aargauer Kantonspolizei ist nicht schiesswütig.» Es handle sich nur um eine zufällige Häufung von Fällen, in denen Polizisten in Notwehrsituationen geraten seien. (alf)

Aargauer Zeitung

Als mehrere Patrouillen der Kantonspolizei vor Ort waren, versuchte die Polizei erneut mit dem Mann zu sprechen. Er zeigte sich zwar regelmässig auf dem Balkon, liess sich aber auch von einem Bekannten nicht überzeugen, sich der Polizei zu stellen. Vielmehr drohte er weiter, sich mit dem Messer umzubringen. Zudem fügte er sich damit effektiv Verletzungen zu und machte mehrfach Anstalten, sich vom Balkon zu stürzen.

Weil sich die Lage mit der Zeit nicht entspannt, sondern eher zugespitzt habe, habe man auch die Sondereinheit Argus hinzugezogen und schliesslich um 21.50 Uhr entschieden, den Mann aus der Wohnung zu holen, sagte Winzenried.

Völlig unerwarteter Angriff

Als Angehörige der Sondereinheit die Wohnungstüre aufbrachen, kam es aber zum Eklat. Der Mann sei sofort mit dem Messer auf den vordersten Polizisten losgegangen, sagte der Kripo-Chef.

Obwohl der Polizist ihn mindestens dreimal aufgefordert habe, das Messer fallen zu lassen, sei der Mann weiter auf ihn zugestürzt. Schliesslich habe der Angegriffene keine andere Wahl gehabt, als von seiner Waffe Gebrauch zu machen. «Es war ein klarer Fall von Notwehr», so Winzenried.

Waffeneinsatz wird untersucht

«Ein Polizist hat zwei Schüsse abgegeben», hielt Werner Burkart, stellvertretender Bezirks-amtmann von Bremgarten, dazu fest. Burkart muss nicht nur eine Strafuntersuchung gegen den Wohnungsinhaber wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte führen. Vielmehr wurde, wie immer in solchen Fällen, auch ein Verfahren gegen den Polizisten eröffnet, um zu klären, ob dessen Schusswaffeneinsatz gerechtfertigt war.

Laut Burkart trafen die Schüsse den Angreifer aus kurzer Distanz in die linke Bauchseite. Während der Aktion sei auch ein Taser benützt worden. Ob dieser getroffen habe, sei aber noch nicht geklärt. Der Verletzte befindet sich im Spital ausser Lebensgefahr. Gegen ihn wurde ein Haftbefehl erlassen.

Hintergründe sind noch unklar

Was genau hinter dem Ausrasten des 30-Jährigen steckt, ist noch nicht geklärt. Er habe noch nicht befragt werden können, sagte Burkart. Eheliche Probleme als Ursache anzunehmen, wäre zurzeit reine Spekulation.

Der Lagerist befand sich in einem regulären Arbeitsverhältnis und war der Polizei weder im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt noch wegen anderer Gewaltdelikte bekannt. Laut Winzenried sprechen Bekannte aber davon, dass der Mann ein Alkoholproblem habe und alkoholisiert zu Gewalt neige.

Nachbarn und Bekannte beschrieben den Betroffenen derweil gegenüber der MZ als «netten Typ», der sich oft mit seinem Kind auf dem Spielplatz aufgehalten habe und auch mit seiner Frau liebevoll umgegangen sei.

Die Polizei sucht jetzt noch weitere Zeugen, die Angaben zum Verhalten des Mannes machen können (056 200 11 11).

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