Die Opfer seien zwischen 35 und 70 Jahre alt, sagte Polizeisprecherin Christine Coulombe am Montag. Es sei von einem "Terroranschlag" auszugehen.

Wie Augenzeugen den örtlichen Fernsehsendern berichteten, drangen die beiden maskierten Männer während des Abendgebets am Sonntag gegen 19.15 Uhr (01.15 Uhr MEZ Montag) in das Kulturzentrum ein und schossen auf die Betenden.

Ein Augenzeuge sagte Radio Canada, die zwei Männer hätten "Allahu Akbar" (Gott ist gross) gerufen. Auch mehrere Kinder hätten den Angriff miterlebt.

Dieses Video zeigt die Szenen vor der Moschee im kanadischen Québec.

Unklar war zunächst, wie viele Menschen sich zu dem Zeitpunkt in dem auch Grosse Moschee genannten Zentrum aufhielten. Laut dem Leiter des Zentrums, Mohammed Yangi, nehmen gewöhnlich zwischen 60 und 100 Menschen an den Abendgebeten teil.

Mutmassliche Täter gefasst

Die Polizei startete eine grossangelegte Suche nach den beiden Verdächtigen. Einer von ihnen wurde nahe dem Tatort gefasst, den zweiten Tatverdächtigen fassten die Einsatzkräfte nach einer Verfolgungsjagd etwa 20 Kilometer von der Moschee entfernt. Nach Angaben der Zeitung "Le Soleil" war einer der der Festgenommenen mit einem Kalaschnikow-Sturmgewehr bewaffnet.

Kanadas Premierminister Justin Trudeau verurteilte das "terroristische Attentat auf Muslime in einem Gotteshaus". Muslimische Kanadier seien ein wichtiger Teil der Gesellschaft, erklärte er am Montag. "Vielfalt ist unsere Stärke", sagte der Regierungschef. Derartige "sinnlose Taten" hätten keinen Platz "in unseren Gemeinden, Städten und unserem Land". Den Opfern und ihren Angehörigen sprach Trudeau sein Mitgefühl aus.

"Barbarische Gewalt"

Der Regierungschef der Provinz Québec, Philippe Couillard, verurteilte den Anschlag auf die Moschee ebenfalls scharf. Québec lehne "diese barbarische Gewalt" ab, erklärte Couillard und rief zur Solidarität mit "allen Einwohnern Québecs muslimischen Glaubens" auf.

Der Bürgermeister der Stadt, Régis Labeaume, sprach von einer völlig unerklärlichen und unsinnigen Tat. Nach dem Anschlag versammelten sich Demonstranten zu einer spontanen Solidaritätskundgebung vor der Moschee.

Anti-muslimische Attacken hatten sich in Kanada bislang auf eher symbolische Taten beschränkt. So hatten Unbekannte im vergangenen Sommer einen Schweinekopf vor die Tür des Islamischen Kulturzentrums in Québec abgelegt. Andere Moscheen im Land wurden mit rassistischen Graffiti bemalt.

Rechte Gruppen distanzieren sich

Nach dem Anschlag haben sich nationalistische und islamfeindliche Organisationen von der Tat distanziert. "Gewalt ist für uns keine Lösung", erklärte die Gruppierung Fédération des Québécois de souche (FQS).

Die Organisation Atalante Québec schloss sich der Erklärung an. Beide Gruppen verurteilten den Anschlag und erklärten, nur "tief gestörte Personen" könnten eine solche Tat begehen.

Die Vereinigung FQS, die sich selbst als nationalistisch einstuft, warnt vor einer "Islamisierung" und fordert einen vollständigen Einwanderungstopp. Atalanta Québec setzt sich für eine "identitäre Wiedergeburt Québecs" ein. Auch die islamfeindliche Vereinigung La Meute verurteilte am Montag "jegliche Gewaltanwendung".

Trudeau, der wegen seiner Politik immer wieder von rechten Gruppen kritisiert wird, hatte am Samstag als Reaktion auf das von US-Präsident Donald Trump verhängte Einreiseverbot gegen Bürger mehrerer muslimischer Länder den Willen seines Landes bekräftigt, weiterhin Flüchtlinge aufzunehmen - unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit.

Die beiden mutmasslichen Attentäter studierten nach Medienberichten an der bekannten Laval-Universität in Québec. Wie Radio Canada unter Berufung auf Ermittlerkreise berichtete, soll einer von ihnen marokkanischer Herkunft sein.