St. Gallen-Winkeln
Mann in St. Galler Moschee erschossen: Rächte sich Täter wegen Mord an Bruder?

In einer Moschee in St. Gallen-Winkeln ist am Freitagnachmittag ein Mann erschossen worden. Die Polizei nahm den mutmasslichen Täter fest, der eine Schusswaffe trug. Mitglieder der islamischen Gemeinschaft vermuten einen Racheakt.

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Schiesserei in St. Galler Moschee - ein Toter
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Die Polizisten trafen am Tatort auf den mutmasslichen Täter
In St. Gallen kam es in einer Moschee zu einer Schiesserei

Schiesserei in St. Galler Moschee - ein Toter

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Die Polizei erhielt um 14 Uhr einen Hinweis auf die Schussabgabe und war nach kurzer Zeit am Tatort an der Herisauerstrasse, wie Kantonspolizeisprecher Gian Andrea Rezzoli der Nachrichtenagentur sda vor Ort sagte.

Der mutmassliche Täter liess sich widerstandslos festnehmen. Im Gebetsraum der Moschee fanden die Polizeibeamten einen toten Mann. Auf der Strasse vor der Moschee traf die Polizei rund zehn weitere Personen an. Diese werden laut Rezzoli derzeit einvernommen.

Die Polizei war mit einem Grossaufgebot ausgerückt. Rechtsmedizin und Spurensicherung waren vor Ort. Der Tatort wurde abgesperrt. Bei der Moschee handelte sich um die El-Hidaje-Moschee der Albanisch Islamischen Gemeinschaft. Die Moschee befindet sich in einem Wohnhaus. Gemäss Angaben auf ihrer Webseite zählt El-Hidaje aktuell 350 Mitglieder.

Eine Nachbarin sagte der sda, sie habe mindestens zwei Schüsse gehört. Der mutmassliche Täter sei von der Polizei in Handschellen und mit einem Sack über dem Kopf abgeführt worden. Laut der Nachbarin treffen sich in der Moschee täglich Gläubige drei Mal zum Gebet.

Imam sagt: Vor 18 Jahren ein Familienmitglied ermordet

Mitglieder der Islamischen Gemeinschaft vor Ort vermuteten, dass es sich um einen Racheakt für ein vergangenes Tötungsdelikt handle. Das Opfer soll vor Jahren den Bruder des mutmasslichen Täters erschossen haben.

Gegenüber dem St. Galler Radio FM1 sagt Imam Fehim Dragusha, dass das Opfer vor rund 18 Jahren ein Familienmitglied des Täters in dessen Heimat ermordet habe. Es sei traurig, dass die Familienfehde nun in der Schweiz ausgetragen worden sei, so Dragusha weiter.

Der Imam verurteilt die Tat scharf. Gewalt habe in einer Moschee nichts verloren, der Islam würde solche Taten verurteilen. Er selber habe das zirka 40-jährige Opfer persönlich gekannt und als sehr angenehmen Menschen kennengelernt. Er wisse aber nicht, was vor langer Zeit passiert sei.

Die Polizei machte keine näheren Angaben zum Motiv. Die Ermittlungen sind im Gang.

Islamischer Zentralrat ist beschämt

Am Freitagabend meldete sich der Islamische Zentralrat Schweiz (IZRS) mit einer Mitteilung und betont: «Die Schiesserei in der St. Galler Moschee El Hidaje hat definitiv keinen politischen Hintergrund. Es handelt sich um eine Familienfehde. Der Islamische Zentralrat ist beschämt ob dieser inakzeptablen Tat.»

Ähnliche Taten 2004 und 2007

Bereits im November 2007 war es in der Schweiz zu einem Gewaltdelikt in einem muslimischen Gebetshaus gekommen. Ein 23-jähriger, psychisch angeschlagener Täter gab im islamischen Zentrum von Crissier VD mehrere Schüsse ab. Der Schweizer muslimischen Glaubens verletzte einen der Anwesenden schwer am Unterleib, bevor er von Gläubigen überwältigt wurde.

Drei Jahre zuvor, im November 2004, hatte ein 46-jähriger Tunesier im islamischen Zentrum von Lausanne den Imam und acht weitere Personen beim Freitagsgebet mit einem Messer verletzt. Ein psychiatrisches Gutachten stellte danach fest, der Täter leide unter geistiger Verwirrtheit.