Langenthal
Leichenfund: Verdächtiger mit Verbindungen in die Nazi-Szene

Seit Montag sitzen die Brüder J. K. und K. K.* in Untersuchungshaft. Sie werden verdächtigt mit dem Tötungsdelikt in Langenthal in Verbindung zu stehen. Nun steht der politische Hintergrund von J. K. im Fokus. Er hatte Verbindungen zu Nazi-Kreisen.

Marco Wölfli und Samuel Thomi
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Die Tote von Langenthal arbeitete als Escort-Girl
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Als Christina war sie für verschiedene Escortservices tätig
So präsentierte sie sich auf der Internetseite eines Escortservices
Christina

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Seit der Verhaftung an ihrem Wohnort in der Nähe der Leichen-Fundstelle sind die Brüder in Langenthal Gesprächsthema Nummer eins. Am Match des SC Langenthal am Dienstag sorgte insbesondere der Hintergrund von J. K. für Gesprächsstoff. Er sei in früheren Jahren mit einem Stadionverbot belegt worden, hiess es auf den Rängen.

Ausländer fürchteten sich vor J. K.

Auf noch mehr Interesse stossen aber verschiedene Hinweise auf seine politische Gesinnung. J. K verkehre in den rechtsradikalen Kreisen Langenthals berichten mehrere Quellen unabhängig voneinander gegenüber dem az Langenthaler Tagblatt. Dabei scheint er mehr als nur ein Mitläufer zu sein: In seinem Quartier würden sich sogar Ausländer vor J. K. fürchten.

Auch eine andere Quelle berichtet von Verbindungen, die J. K. zur rechtsradikalen Szene pflege. Auf seinem, mittlerweile gelöschten, Facebook-Profil habe es deutliche Hinweise dafür gegeben. Beispielsweise sei er mit dem früheren Langenthaler Pnos-Stadtrat Tobias Hirschi und dessen Freundin R. B. befreundet gewesen.

Szenekenner liefert den Beweis

In Langenthal kursieren bisher viele Gerüchte über die Verbindung von J. K. zu Rechtsradikalen. Einen Beweis für Verbindungen K.s in rechtsextreme Kreise liefert Hans Stutz. Der Szenekenner weiss von einer Bestellung in einem unter Rechtsextremen bekannten, noch heute existierenden Online-Versandhandel in Deutschland. Am 30. Januar 2005 kaufte K. einen Pullover mit dem Schriftzug «White Power» sowie ein Zeichen mit denselben Insignien. Er kommentierte die Bestellung mit «geil, geil, geil».

Geliefert wurde an die ehemalige Adresse der Eltern in Langenthal. Der Datensatz, aus welchem Stutz zitiert, wurde vor Jahren von deutschen Antifas gehackt und vorübergehend ins Internet gestellt. Bei der Kantonspolizei Bern will man die Aussagen über das Vorleben von J. K. weder bestätigen noch dementieren. «Der persönliche Hintergrund der Verdächtigen ist Gegenstand der Ermittlungen», sagt Mediensprecher Michael Fiechter. Momentan seien aber noch viele Fragen offen, auf die man Antworten zu finden hoffe.

* Namen der Redaktion bekannt