Der 15-jährige Bezirksschüler hat den Angriff auf seinen gleichaltrigen Banknachbarn gestanden. Er befindet sich nun in einer Klinik und wird psychologisch und medizinisch betreut, wie die Jugendanwaltschaft gestern mitteilte. Sie bezweifelt, dass der Täter wieder in seine bisherige Schule in Langendorf zurückkehren kann.

Dem Opfer geht es den Umständen entsprechend gut, es wurde gestern Nachmittag von der Schulleitung und dem Klassenlehrer besucht, wie Schulleiter Silvan Jäggi bestätigte. Die beiden Jugendlichen kannten sich bestens. In einer Projektwoche arbeiteten sie gemeinsam an einem Bericht «Energie und Umwelt».

Vor zwei Jahren nahmen sie als Team an einem Wettbewerb teil und bauten gemeinsam einen Lego-Roboter. Und sie sind beide in der Rüttener Jugendfeuerwehr. «Ich hätte das dem Angreifer nie zugetraut», sagt Zugführer Ivan Ruetsch. Er sei schockiert und fühle sich ohnmächtig. «Er war ein sehr lieber und zuvorkommender Junge und kam auch mit dem Opfer sehr gut aus.»

Der Vater will nichts sagen

Das Opfer ist Schweizer, der Täter ein in der Schweiz geborener Serbe. Er ist weder ein auffälliger Schüler noch der Jugendanwaltschaft bisher bekannt gewesen. Das wirft Fragen auf: Wie kommt ein normaler Junge auf die Idee, einem Kollegen mit dem Messer den Hals aufzuschlitzen? Gab es Streit, hatte er vielleicht zu Hause Probleme, von denen Aussenstehende nichts wussten? «Ein Motiv ist nicht erkennbar, ebenso wenig, dass der Täter irgendwie provoziert worden wäre», erklärt Jugendanwalt Bruno Hug.

Mehr könne man derzeit nicht sagen. Andrea Kronenberg von der Vormundschaftsbehörde wollte keine Stellung dazu nehmen, ob die Familie der Behörde oder der Sozialhilfekommission bekannt ist. Der Vater des Täters wollte ebenfalls keine Auskunft geben. Jugendanwalt Hug schliesst wenigstens aus, dass die Tat über längere Zeit geplant gewesen wäre. Man könne deshalb auch nicht von einer «Amok- Tat» sprechen.

Täter hat ein psychisches Problem

Mütter von Mitschülern des Täters sind sprachlos. «Der Angreifer war auch schon bei meinem Sohn zu Hause, sie haben zusammen im Garten gespielt. Mir ist nie etwas Negatives aufgefallen, das kann einfach nicht geplant gewesen sein», sagt die Mutter eines ehemaligen Mitschülers. «Ich habe ganz besondere Mühe mit dem Vorfall, weil der Angreifer so gut integriert war, er spricht auch ganz normal Schweizerdeutsch», sagt eine andere.

Sie glaubt: «Das kann nur eine Kurzschlussreaktion gewesen sein.» Dies scheint für viele Eltern und Freunde von Täter und Opfer die einzige Erklärung für die traurige Messerattacke sein zu können. Jugendanwalt Hug sagt: «Die psychologische Diagnose ist noch nicht erstellt.» Es handle sich aber wohl um eine «innerpsychische Geschichte».

Jedenfalls werde es nicht möglich sein, den Täter an seiner bisherigen Schule wieder zu integrieren. Man werde aber dafür sorgen, dass er die obligatorische Schulzeit an einer anderen Institution – beispielsweise einer Sonderschule oder einem Heim – abschliessen kann. (mz/fup/fhe)