Brand

Klingnauer Brand ging ein Streit voraus

Eine Woche vor der Feuersbrunst in der Klingnauer Altstadt beobachtete eine Anwohnerin eine Auseinandersetzung vor dem «Rebstock». Und ein weiterer Anwohner erhebt jetzt Vorwürfe gegen das Feuerwehrkommando.

Angelo Zambelli

Eine Bewohnerin der Klingnauer Altstadt, die nicht namentlich genannt werden möchte, schildert mit erregter Stimme, wie sie den Samstagnachmittag erlebt hat: «Zusammen mit meinem Mann besuchte ich Bekannte in Kleindöttingen. Plötzlich sahen wir eine Rauchsäule über Klingnau aufsteigen. Ich befürchtete, unser Haus könnte in Brand geraten sein. Mein Mann und ich fuhren sofort nach Hause und stellten fest, dass das Gasthaus Rebstock lichterloh brannte und unser Haus verschont geblieben war.»

Die Anwohnerin befürchtete lange vor dem Brand, der drei Altstadtgebäude in Mitleidenschaft zog, dass es irgendwann zu einem Zwischenfall kommen könnte. «Dass so viele Menschen mit Existenzsorgen und entsprechendem Gewaltpotenzial in einem brandgefährdeten Haus zusammengepfercht werden, ist unverständlich. Wo ist da die Verantwortung des Vermieters?», fragt sie. Empörend findet sie, dass der Besitzer der Liegenschaft Rebstock sowie zweier weiterer Altstadthäuser in seinen Gebäuden Menschen mit undurchsichtigem sozialem Hintergrund unterbringt: «Wir fühlen uns durch diese Situation seit längerem bedroht und in unserer Lebensqualität massiv eingeschränkt. Das Schlimmste aber ist, dass wir nichts dagegen unternehmen können.» Hausbesitzer Jürg Meier, der in Siggenthal Station ein Architekturbüro betreibt, wollte zu den Vorwürfen keine Stellungnahme abgeben.

Am vorletzten Sonntag hat die Altstadtbewohnerin eine Beobachtung gemacht, die sie schockiert hat: «Ein Mann rannte wutentbrannt auf den Privateingang der Rebstock-Liegenschaft zu, worauf ihm eine dunkelhäutige Frau noch im Freien entgegentrat. Auf dem Trottoir kam es zu einem Handgemenge. Dann sah ich, wie die Frau ins Gebäude flüchtete, verfolgt von dem Mann. Danach hörte ich nur noch Schreie von Frauen und von Kindern. Deshalb alarmierte ich die Polizei. Kurze Zeit später rannte wieder eine dunkelhäutige Frau barfuss auf die Strasse und bat einen Passanten um Hilfe. Dieser riet ihr, sich an die im hundert Meter entfernten Amtshaus untergebrachte Polizei zu wenden.»

Vorwürfe ans Feuerwehrkommando

Peter Ursprung wohnt nur einen Steinwurf von den drei in Mitleidenschaft gezogenen Gebäuden entfernt. Der nach eigenen Angaben ausgebildete Feuerwehrinstruktor übt scharfe Kritik an der Einsatztaktik des Kommandos. Er wirft der Feuerwehr Döttingen-Klingnau vor, zu spät und ungenügend ausgerüstet auf dem Brandplatz erschienen zu sein. Zudem seien die Stützpunktfeuerwehren Bad Zurzach-Rietheim und Baden sowie die Feuerwehren der umliegenden Gemeinden erst nach und nach aufgeboten worden.

Mario Lerf, Kommandant der Feuerwehr Döttingen-Klingnau, tritt diesen Vorwürfen mit Entschiedenheit entgegen. «Die Feuerwehrleute haben einen guten Job gemacht und sind von vielen Betroffenen und Anwohnern mit Komplimenten bedacht worden. Wir waren schnell auf dem Brandplatz und haben bereits auf der Anfahrt die anderen Feuerwehren aufgeboten, weil wir wissen, dass ein Brand in der Klingnauer Altstadt immer sehr heikel ist.» Auch den Vorwurf, ungenügend ausgerüstet auf dem Brandplatz erschienen zu sein, weist Feuerwehrkommandant Lerf vehement zurück.

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