Zürcher Obergericht

Kleine Strafsenkung für dealenden Einbrecher aus Dietikon

Gang des Zürcher Obergerichts (Archiv)

Gang des Zürcher Obergerichts (Archiv)

Ein arbeitsloser Slowene aus Dietikon ist in eine Dietiker Landi-Filiale eingebrochen und war wiederholt beim Heroinhandel erwischt worden. Er erhielt eine leichte Strafsenkung von vier Monaten: Nur noch 38 Monate Freiheitsentzug.

Gestern hoffte erhoffte sich der 26-jährige Slowene vor Obergericht vergeblich eine deutliche Strafsenkung. Er musste sich für einen ganzen Strauss von Delikten verantworten.

Der heute 26-jährige Dietiker erschrak, als er bemerkte, dass sich im voll besetzten Saal des Obergerichts ein grosses Publikum zu seinem Berufungsprozess eingefunden hatte. Wegen des kantonalen Zukunftstages waren zahlreiche Primarschüler der fünften und sechsten Klassen in Begleitung ihrer Eltern oder anderer erwachsener Personen erschienen.

Heroinhandel und Geldwäscherei

Der Gerichtsvorsitzende fasste zu Beginn die wichtigsten Delikte des beschuldigten Slowenen zusammen. Demnach hatte er sich vor über zwei Jahren in Dietikon an einem aufstrebenden Heroinhandel mit bis zu zweieinhalb Kilogramm beteiligt. Zudem soll er Drogengelder für rund 5000 Franken gewaschen haben. Hinzu kam ein Einbruchdiebstahl in einer Dietiker Landfiliale.

Der Beschuldigte hinterliess auf der Anklagebank nicht den besten Eindruck. Er rang sich trotz erdrückender Beweise lediglich zu einem Teilgeständnis durch und stellte diverse Vorwürfe gar gänzlich in Abrede. Trotz eines sichergestellten Fingerabdrucks vor dem Tatort bestritt er zum Beispiel den Landi-Coup weiterhin hartnäckig. Bei den Drogengeschäften gab er an, dass ihm seine Komplizen gar das Heroin untergejubelt hätten. Mitleid erregte er allerdings mit seiner an Alzheimer erkrankten Mutter, die heute zwar lebendig, aber auch schon tot sei.

Verteidigung für Strafsenkung

Obwohl der kürzlich aus der Haft entlassene Ex-Verkäufer bisher keine geregelte Arbeit gefunden hat, ging der Verteidiger von einer günstigen Prognose aus. Er wehrte sich gegen eine von der Vorinstanz festgesetzte unbedingte Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren. Er setzte sich für eine erheblich mildere, bedingte Freiheitsstrafe von 20 Monaten ein. Der Rechtsanwalt sah weder den Einbruch noch die Geldwäscherei als rechtsgenügend erstellt an.

Strafe nur vier Monate gesenkt

Das Obergericht folgte in den meisten Punkten der Anklage. Auch beim Einbruch in den Laden, wo sich der Beschuldigte bereits bei der Polizei mit einer unüberlegten Aussage über die Tatwerkzeuge selber belastet hatte. Einzig die Geldwäscherei stuften die zwei Oberrichterinnen und der Vorsitzende als nicht erwiesen ein. Zudem gingen sie in einem Nebenpunkt von einer geringeren Heroinmenge aus. Was zum Schluss zu einer leichten Strafsenkung von vier Monaten auf neu 38 Monate führte. Ohne Bewährungschance. Allerdings hatte der junge Limmattaler Glück im Unglück. Da er bereits 778 Tage im Gefängnis abgesessen hat, muss er nicht mehr hinter Gitter.

Er wolle sich jetzt einen Job suchen, Gas geben und ein neues Leben beginnen, versicherte er.

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