Tobias Gfeller

Ein Schmunzeln im Gesicht lässt sich zweifelsfrei nicht verhindern. Denn die Nachricht, dass ein Kleinkind alleine die Welt unsicher macht, einen Zug besteigt und von A nach B fährt, liest sich für den Leser oftmals als amüsante Geschichte. Doch lustig ist dies keinesfalls.

Für Eltern, die ihr Kind vermissen, sind diese Stunden die Hölle. Bei aller Vorsicht, ganz sicher vor einem derartigen Zwischenfall kann kein Elternteil sein. Wer aber denkt, das spurlose Verschwinden von Kindern hätte in der Region Basel zugenommen, irrt. «Dies ist eine subjektive Wahrnehmung, da in den letzten Wochen gleich zwei solcher Fälle in die Öffentlichkeit kamen», erklärt Meinrad Stöcklin von der Kantonspolizei Basel-Landschaft. Es sei zudem nicht immer so, dass bei solchen oder ähnlichen Fällen eine Meldung an die Medien gemacht wird. «Ausserdem wissen auch wir nicht von allen Kindern, da es sicherlich eine Dunkelziffer gibt.» Statistiken über entlaufene Kinder führt die Polizei nicht.

Als Routine würde Stöcklin diese Art von Polizeiarbeit nicht bezeichnen. Doch kommt es immer wieder mal vor, dass entlaufene Kleinkinder die Polizei beschäftigen. «In diesen Situationen ist bei den Beamten Fingerspitzengefühl gefragt. Nicht bei jeder Vermisstmeldung wird auf gleiche Weise gehandelt.» Bei älteren Menschen mit gesundheitlichen Problemen ergreift die Polizei schneller entsprechende Massnahmen als bei Jugendlichen, die wegen Liebeskummer von Zuhause fern bleiben. «Genau gleich verhält es sich bei Kleinkindern.» Als erstes informiert die Polizei die öffentlichen Verkehrsmittel, da verwirrte Menschen und Kinder diese oftmals besteigen. Das entsprechende Signalement wird jeweils durchgegeben. «Wenn wir Glück haben, überschneiden sich unsere Beschreibungen mit denen der aufgefundenen Kinder im Zug, Tram oder Bus.»

Für SBB-Angestellte gilt beim Auffinden eines kleinen Kindes, das sichtlich alleine unterwegs ist und noch nicht im Stande ist, sich selbst zu orientieren, ein bestimmtes Vorgehen: «Der Zugbegleiter meldet den Vorfall dem Operation Center Personenverkehr (OCP) und gibt eine entsprechende Beschreibung durch», erklärt Roman Marti von der SBB-Medienstelle. Diese Zentrale nimmt anschliessend Kontakt mit der zuständigen Polizei auf. Ob diese Vorfälle in letzter Zeit zugenommen haben, kann Marti nicht sagen. «Fahren die Kinder mit der Regio-S-Bahn, in denen die Selbstkontrolle gilt, bemerken wir diese kleinen Ausreisser meist nicht.»

Für die Polizei sind Vorfälle wie der des 5-jährigen Mädchens, das von Dornach bis nach Frenkendorf fuhr, «anstrengend, aber eine schöne Aufgabe», wie es Meinrad Stöcklin bezeichnet. «Meistens enden diese Fälle in einem Happy-End. Es ist für die Beamten ein tolles Gefühl, den Eltern das Kind zu übergeben.» Zudem brauche das Lösen eines solchen Rätsels Fantasie, was für die Polizeiarbeit durchaus eine Abwechslung sein könne.