Vergewaltigung
Keine Vergewaltigung

Der 69-jährige Mann, der sich wegen sexueller Handlungen mit einem Kind vor dem Gericht in Burgdorf zu verantworten hatte, wurde zu 360 Tagen verurteilt – zu einem Tagessatz von 40 Franken. Die Strafe ist bedingt. Die Bewährungsfrist dauert zwei Jahre.

Drucken
Teilen
Gericht

Gericht

Keystone

Markus Jutzi

«Bei diesem Fall handelt es sich um eine spezielle Konstellation», sagte Gerichtspräsident Peter Urech am Mittwoch auf Schloss Burgdorf bei der Urteilsverkündung. Er meinte damit primär den grossen Altersunterschied von Täter zu Opfer.

Der Täter habe teils widersprüchliche Aussagen gemacht. Urech: «Licht bis ins letzte Detail können wir nicht bringen.» Wann haben die sexuellen Handlungen mit der damals 15-Jährigen begonnen? Wie oft kam es dazu? Diese Fragen blieben unbeantwortet.

Eines aber war für das Gericht klar. Der Tatort war der Heizungsraum. «Wir gehen davon aus, dass nur ein einziger Vorfall genau zugewiesen werden kann», sagte Urech weiter. In einem Gutachten wurde festgestellt, dass der Täter einen Intelligenz-Quotienten von 73 aufweist. «Es ist festzuhalten, dass er in seiner Jugend nie aufgeklärt worden ist.»

Sex sei für ihn gleichbedeutend mit Geschlechtsverkehr. Dieser habe mit Sicherheit nicht sattgefunden, betonte das Gericht. Untersuchungen im Inselspital in Bern hätten ergeben, dass das Mädchen noch Jungfrau ist. Deshalb sei es irgendwie nachvollziehbar, dass der Täter stets betont habe, es sei «nichts passiert».

Ungewiss sei, wie das Mädchen den Vorfall psychisch verkrafte. Es war an der Verhandlung nicht anwesend. So konnte sich das Gericht keinen persönlichen Eindruck vom Opfer machen. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu 360 Tagen bei einem Tagessatz von 40 Franken. Sollte er rückfällig werden, müsste er 14 400 Franken bezahlen.

Die Strafe wurde bedingt auf zwei Jahre ausgesprochen. Er erhielt eine Busse von 1500 Franken aufgebrummt. Das Gericht ordnete an, dass er von einem Bewährungshelfer betreut werden und künftig auf Alkohol verzichten muss.

Für das Gericht lag keine Vergewaltigung vor. «Eigentlich hätte der Fall vor dem Einzelrichter stattfinden können», so Urech. Der andere Mann, der auch beteiligt war, wurde bereits in einem anderen Verfahren zu einer Strafe von 50 Tagessätzen zu 40 Franken verurteilt.

Aktuelle Nachrichten