Sturzgefahr
Kalter Januar: Mehr verletzte Fussgänger im Spital

Schnee und Kälte haben schmerzhafte Folgen: Das Kantonsspital Baden verzeichnet mehr Sturzverletzungen. In den Altersheimen fürchten sich die Bewohner vor Ausflügen ins Freie.

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Sturzgefahr im Winter

Sturzgefahr im Winter

Aargauer Zeitung

Von Michael Spillmann

Hinter uns liegt der kälteste Januar der letzten 20 Jahre. Es schneit und schneit. Ist der Schnee mal geschmolzen, friert er ein - und am nächsten Morgen kommt der nächste Schnee. Der Winterdienst steht im Dauereinsatz - doch langsam geht ihnen das Salz aus und bereits musste der Dienst vielerorts reduziert werden. Quartierstrassen bleiben ungesalzen, auf Trottoirs bleibt der Schnee liegen.

Ob nun auf ungesalzenem oder gesalzenem Untergrund geschehen: Beim Kantonsspital Baden (KSB) hat die Wetterlage der letzten Tage zu einer Zunahme eingewiesener Fussgänger geführt, die auf schneebedecktem Untergrund gestürzt waren. «Bei den Verletzungen handelte es sich hauptsächlich um Knöchel- oder Handgelenkverstauchungen», erklärt KSB-Mediensprecher Marco Bellafiore auf Anfrage. Betroffen seien alle Altersklassen. «Bei älteren Personen sind die Folgen aber meist schwerwiegender. Stürze führen oft zu Schenkelhalsfrakturen», so Bellafiore weiter. Auch verletzte Velofahrer seien eingewiesen worden.

«Zwei Verletzte musste ich innerhalb von zwei Tagen behandeln. Das ist ungewöhnlich», schildert der Windischer Hausarzt Heini Zürcher. Betroffen waren eine 80-jährige Frau, die vor ihrem Haus ausgerutscht war, und ein Schüler, der auf dem Schulhausplatz gestürzt war.

Schneebedeckte Trottoirs und eisglatte Wege geben aber vor allem in Altersheimen Anlass zu Sorgen. Dies, weil Stürze gerade für Senioren schmerzhafte Folgen haben. Zwar war von angeordneten Ausgangssperren bis gestern nichts bekannt. Aber: «Wir haben das Problem thematisiert», sagt René Allemann, Leiter des Alters- und Pflegeheims Kloos in Rheinfelden. Viele Bewohner seien aufgrund der Wetterlage vorsichtig mit Spaziergängen. Die Senioren wurden angewiesen, das Haus nur in wichtigen Angelegenheiten zu verlassen. «Wenn es nicht anders geht, dann werden sie begleitet», so Allemann.

«Sie haben Ängste geäussert», sagt Eduardo Forgas, Geschäftsführer im Badener Alterszentrum Kehl. Einmal im Monat führt er mit den Bewohnern ein Gespräch. Beim letzten Diskussionsabend gab es nur ein Thema: die Sturzgefahr. Die Wege vom Alterszentrum bis zur Bushaltestelle seien zwar gesalzen, trotzdem wagen sich viele Senioren aus Angst nicht mehr auf die Strasse.

Die Angst vor der Sturzgefahr ist auch im Alters- und Pflegeheim Pfauen in Bad Zurzach bekannt. Pflegedienstleiterin Monic Bamberger: «Das Areal ist schneefrei, aber einen weiteren Weg mit dem Rollator oder einem Rollstuhl zu schaffen, ist bei diesen Wetterverhältnissen fast unmöglich.»