Lenzburg
Justizvollzugsanstalt Lenzburg: Die neue Mauer hielt lediglich fünf Jahre

Der Peripherieschutz der Justizvollzugsanstalt Lenzburg musste für 0,7 Millionen Franken saniert werden. Dieser wurde erst 2005 erstellt.

Toni Widmer
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Arbeiten stehen kurz vor dem Abschluss: Die Kröpfung am Mauerkopf war nach fünf Jahren bereits an vielen Stellen so schadhaft, dass sie mit Alucobond verkleidet werden musste. Toni Widmer

Arbeiten stehen kurz vor dem Abschluss: Die Kröpfung am Mauerkopf war nach fünf Jahren bereits an vielen Stellen so schadhaft, dass sie mit Alucobond verkleidet werden musste. Toni Widmer

140 Jahre hat die alte Lenzburger Gefängnismauer überdauert. Die Neue schaffte kaum einen Bruchteil daavon. Schon kurz nach der Fertigstellung zeigten sich erste Schäden. Weil die Herstellerfirma 2005 in Konkurs ging, muss der Kanton Aargau die nötig gewordene Sanierung jetzt selber berappen.

Es war der letzte grosse Auftrag für die traditionsreiche Wey Elementbau AG aus Villmergen. Wie sich inzwischen erwiesen hat, war es allerdings nicht der ruhmreichste. Die Firma, welche einst in Rekordzeit das Glatt-Zentrum gebaut hat und während Jahrzehnten landesweit als Spezialistin im Elementbau gefeiert wurde, ist zum Schluss an einer Mauer gescheitert.

Rund einen Kilometer lang und bis zu acht Meter hoch

Der Rund einen Kilometer lange und bis zu acht Meter hohe Peripherieschutz um das Lenzburger Gefängnis (Justizvollzugsanstalt JVA) war allerdings kein einfach zu erstellendes Bauwerk. Nicht zuletzt wegen der hohen Anforderungen, welche die Kröpfung am oberen Ende an die Erbauer stellte, wurde bei der Planung 2003 die gegenüber der herkömmlichen Bauweise teurere Element-Variante gewählt. Was prompt die Kritiker auf den Plan rief.

Der damalige Rupperswiler Grossrat Rainer Kaufmann lief mit einer entsprechenden Interpellation im März 2004 allerdings ins Leere. Der damalige JVA-Direktor Martin-Lucas Pfrunder massregelte ihn als schlecht informierten Lobbyisten und der Regierungsrat vergab den Auftrag einen Monat später, ungeachtet des pendenten politischen Vorstosses.

Firma ging im Januar 2005 in Konkurs

Die Wey Elementbau AG ging im Januar 2005 in Konkurs. Ihren Teil des – inklusive Innen- und Aussenzaun – auf 7,5 Mio. Franken veranschlagten neuen Peripherieschutzes hatte sie noch knapp fertigstellen können. Die Freude an der Mauer war kurz. Schon bald mussten Längsrisse in den Schrägflächen, Betonabplatzungen und kaputte Fugen geflickt werden.

2009 veranlasste die IMAG (Immobilien Aargau) eine materialtechnische Untersuchung. Daraus ging klar hervor, dass ausführungstechnische Mängel für die Schäden verantwortlich waren. Inzwischen hat der Kanton Aargau die Suppe ausgelöffelt, die ihm die Wey Elementbau AG vom Sterbebett aus eingebrockt hat. Die Mängel in der Umgrenzungsmauer sind die letzten fünf Monate behoben worden. Die Kröpfung am Mauerkopf wurde mit Alucobond (Blechabdeckungen) verkleidet, Betonabplatzungen und Kittfugen dauerhaft saniert. 700000 Franken hat der Regierungsrat dafür bewilligt.

Mit der auf 40 Mio. veranschlagten Gesamtsanierung der JVA ist inzwischen ebenfalls begonnen worden. Die neue Holzschnitzelheizung ging im Oktober in Betrieb und am 5. Dezember hat bereits der Spatenstich für das neue Produktionsgebäude stattgefunden.

Sobald dieses bezogen ist, kann – voraussichtlich in der zweiten Hälfte 2013 – der Um- und Ausbau des 140 Jahre alten Fünfstern-Komplexes in Angriff genommen werden. Er wird bis Mitte 2006 dauern.

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