Roman Schenkel

Unterschiedliche ZielE, identischer Start. Die Freitagstour der beiden Aarauer Jugendpolizisten - Martin Schär und Roman Weiss - beginnt am selben Ort, an dem auch für viele Jugendliche der Ausgang anfängt: beim «Aperto» am Aarauer Bahnhof. Hier decken sich die Nachtschwärmer grosszügig mit Alkohol ein. Zahlreiche Gruppen Jugendlicher mit Bierkisten und Schnapsflaschen verlassen in hohem Akkord den Laden und machen sich auf in Richtung Innenstadt. «Von hier gehen sie in den Kasinopark, die City Passage oder in Tiefgaragen, wo sie sich für den Ausgang warmtrinken», erklärt Schär, Leiter der Jugendpolizei. Erst später, gegen 23 Uhr stehen das KiFF, die «Kettenbrücke» oder das Jugendhaus Flösserplatz auf dem Programm.

Die beiden Polizisten beäugen das Treiben beim «Aperto» aufmerksam. In Zivil fallen sie nicht sofort als Ordnungshüter auf. Erst auf den zweiten Blick erkennt man den Knopf im Ohr, der die beiden Polizisten mit dem Polizeifunk verbindet. «Wenn wir uniformiert unterwegs sind, besteht automatisch eine Barriere zwischen uns und den Jugendlichen», sagt Weiss. Auf Beamte in Zivil reagierten die jungen Menschen offener und auch freundlicher.

20 Uhr, in der City-Passage gehts los. Die erste Kundschaft sitzt auf den Treppen der City-Passage. Fünf junge Frauen und ein junger Mann hängen herum; sie warten auf einen weiteren Kollegen. Schär und Weiss sprechen die Gruppe an und zeigen ihre Ausweise. Was sie denn hier machten und wo es noch hingehe, fragt Schär. «Draussen ist es so kalt und in den Restaurants zu teuer, darum sind wir hier», sagt ein Mädchen. Später wollen sie noch in die «Kettenbrücke». Die Jugendpolizisten mahnen die Gruppe, den Abfall im Kübel zu entsorgen, dann lassen sie die Jugendlichen trotz dem Verbot auf der Treppe sitzen. «Als Jugendpolizisten können wir in solchen Fällen auch einmal ein Auge zudrücken», sagt Weiss. Schliesslich seien sie aber dennoch Polizisten - bei Drogen, Gewalt und massivem Alkoholkonsum kennen sie kein Pardon, betont er.

Im Treppenhaus des Parkhauses Behmen zeigt sich, wie es nach einem Gelage auch aussehen kann: Zigarettenstummel, Papier und Bierflaschen zeugen von einem Gelage. «Littering ist eines unserer grössten Probleme», sagt Schär und schüttelt den Kopf.

Ab 21 Uhr nimmt das Aarauer Nachtleben Fahrt auf; per Zug und Bus kommen viele Jugendliche nach Aarau. Die Lokale in der Innenstadt füllen sich. Glücklich, wer einen Platz im «Platzhirsch» oder im «Gossip» ergattert.

22 Uhr, Augenschein in der Telli: Im Zivilauto geht es hinunter in die Telli. Trotz der späten Stunde sind im Telli-Center die Türen noch geöffnet. An einem Tisch des Bistros Baguette sitzen drei Jugendliche und trinken Baccardi Cola; in der Luft hängt ein verdächtiger süsser Duft. «Hallo, Ihr Meister, habt Ihr eure Zigaretten aufgepeppt?», begrüsst Schär die drei altbekannten jungen Männer. «Nein, nein wir trinken nur», dementieren die drei eifrig. Schär und Weiss verzichten dennoch auf eine Kontrolle: «Da würde eh nichts zum Vorschein kommen, das haben die längst verraucht oder weggeworfen.»

Im KIFF ist es um diese Uhrzeit noch ruhig, die Hip-Hop-Party beginnt erst um 23 Uhr. Dass es auch weiter so bleibt, dafür sorgen zwei eindrückliche Türsteher. «Wir haben alles unter Kontrolle», erklären sie den beiden Polizisten. Nach einem kurzen Schwatz geht es wieder hinauf in die Stadt. Die Gruppe in der City-Passage ist immer noch da. Die Treppe ist nun aber verdreckt. Ein hastig weggeworfenes Plastiksäcklein mit Marihuana will niemandem gehören. Weiss konfisziert es und schickt die Gruppe nun weg. Sie zieht auffällig schnell und ohne zu murren ab.

23 Uhr, drei Buben auf der Bahnhofstrasse wecken die Aufmerksamkeit der Beamten. Ihre übergrossen Jacken und Hosen können das jugendliche Alter nicht kaschieren. Die Ausweise bestätigen den Verdacht - zwei sind 15- jährig, der Dritte im Bunde ist sogar erst 14 Jahre alt. «Wir wollen nur kurz in den McDonald's», sagen sie. Schär erklärt ihnen , dass Jugendliche unter 16 Jahren ab 22 Uhr nur in Begleitung eines Erwachsenen unterwegs sein dürfen. «Ihr geht jetzt in den McDonald's und dann nach Hause», gibt er ihnen den Tarif durch. Auch komme er nicht darum herum, ein Wörtchen mit ihren Eltern zu reden: «Morgen kriegen sie ein Telefon», warnt er die drei vor. Doch zuerst gibt es für sie einen Big Mac.

Um 00:12 Uhr fahren die letzten Züge nach Schöftland und Menziken. Auf dem Perron ist die Stimmung ziemlich ausgelassen und die Securitas-Leute, die mit den Zügen mitfahren, sind um ihre Aufgabe nicht zu beneiden. Doch nicht alle verlassen Aarau: Fünf junge Männer machen lautstark auf sich aufmerksam; einer stürzt sich sogar mitten auf die Bahnhofstrasse, schwingt seine volle Schnapsflasche und versucht die Autos anzuhalten. Als ihn dann die Jugendpolizei anhält, versteht er die Welt nicht mehr.«Ich habe gar nicht so viel intus», behauptet er. Und: «Was habe ich denn gemacht?»

Für viele ist die Nacht noch zu jung, um nach Hause zu gehen. Sie stehen auch noch um 1.30 Uhr vor dem «Boiler» und der «Kettenbrücke» Schlange. Auch Martin Schär und Roman Weiss werden ihre Tour bis in die frühen Morgenstunden fortsetzen und sich um diejenigen kümmern, die zu jung für die Nacht sind.