Scheune
Jedes Feuer erinnert ihn an den Brand

Am 22. September, morgens um sechs Uhr, brannte das Ökonomiegebäude von Peter Hochuli in Reitnau. Ein Viertel der Dachkonstruktion fiel den Flammen zum Opfer. Derzeit werden die verbrannten Dachbinder mit einem Kran abgebaut. Der Schreck über das Feuer vor zehn Wochen sitzt bei der Familie immer noch tief.

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Scheunenbrand Reitnau

Scheunenbrand Reitnau

Aargauer Zeitung

Nadia Rambaldi

Die Schadensliste ist lang: Zwei Mischfuttersilos, 150 Heuballen, 30 Rundballen, Kleinmengen an Futter und Vorräten, die Melkmaschine, der Boiler und ein Viertel des Daches des acht jährigen Ökonomiegebäudes fielen am 22. September den Flammen zum Opfer. Der Sachschaden beträgt über 230000 Franken. Glück im Unglück: Personen wurden keine verletzt und die 30 Kühe und sechs Kälber konnten gerettet werden.

Bauer und Gemeinderat Peter Hochuli sitzt an seinem Küchentisch und lässt das Geschehen nochmals Revue passieren. «An diesem Dienstagmorgen ging alles sehr schnell», erinnert er sich. Kurz vor sechs Uhr sei im Stall das Licht ausgegangen. Peter Hochuli war gerade am Melken. «Ich dachte, mein Vater hat vielleicht den falschen Lichtschalter gedrückt», erinnert er sich.

Als er aus dem Fenster schaut, sieht er weisse Flocken tanzen. Erst auf den zweiten Blick merkt er, dass es Asche von seinem Dach regnet. Sofort rennt er raus und sieht das Feuer. «Die Flammen hatten sich schon durch das Dach gefressen», erzählt er. Er rennt zu seinem Haus, ruft die Feuerwehr, die nur wenige Minuten später eintrifft, und weckt seinen Vater.

Seine Partnerin Lisa Barmettler hört ihn am Telefon sprechen und macht sich auf den Weg zum Stall. Als Peter Hochuli ebenfalls zum Stall zurückkehrt, hat sie die Kühe bereits rausgelassen. «Die waren in Panik», sagt Lisa Barmettler. «Gott sei Dank kannten sie den Weg und liefen alle selbstständig nach draussen.» Eine trächtige Kuh war dermassen in Angst, dass sie versuchte, über die Abschrankung ihres Geheges zu springen. «Kaum war sie auf der Weide, hat sie das Kalb vor Schreck gleich geboren», erzählt Hochuli schmunzelnd.

Schwieriger war es, die Kälber nach draussen zu bringen, sie kannten den Weg nach draussen nicht. Nur mit grossem Einsatz konnten Lisa Barmettler und Peter Hochuli sie nach draussen bewegen, wo sie dann in alle Himmelsrichtungen davonliefen. Dank der Hilfe von Nachbarn konnten sie eingefangen werden und wurden im Pferdestall der Nachbarn untergebracht.

Angst ist immer noch da

Die Feuerwehr konnte eine Ausbreitung des Feuers verhindern. «Als ich sah, dass die Feuerwehr den Brand schnell im Griff hatte, gings mir besser», sagt Peter Hochuli. Er selber ist auch in der Feuerwehr und bekam um 6.11 Uhr den Alarm auf seinen Pager.

Noch heute erinnert ihn jedes Sirenengeheul und jedes Feuer an den Brand vom 22. September. Vor allem die Kinder Pascal, Tamara, Oliver und Carmen haben immer noch Mühe, das Geschehene zu verarbeiten. «Sie sind immer noch ängstlich», erklärt Lisa Barmettler.
Das verbrannte Dach des Ökonomiegebäudes konnte mit Plachen provisorisch abgedeckt werden, die Kühe und Kälber wurden noch am gleichen Abend wieder in den Stall geführt. Aufgrund des Rauchgeruchs seien die Tiere aber sehr verängstigt gewesen, eine der Kühe gebe immer noch nicht recht Milch.

Die Arbeit auf dem Hof konnte dank der Hilfe der Feuerwehr, Nachbarn und Bekannten bereits am nächsten Tag wieder aufgenommen werden, wenn auch mit einigen Provisorien. «Ich möchte mich an dieser Stelle bei der Feuerwehr und allen Helfern bedanken», sagt Hochuli.

Die Brandursache ist immer noch unklar, Peter Hochuli vermutet aber eine Überhitzung der Melkmaschine. Seit Montag ist die Firma Burgherr Moosersäge AG mit dem Abbau der verbrannten Dachbinder beschäftigt. Das neue Dach wird Anfang nächster Woche montiert sein.