Italien

Italienische Behörden verhaften drei Verdächtige im Fall Borsellino

Der vor 20 Jahren ermordete "Mafia-Jäger" Paolo Borsellino (Archiv)

Der vor 20 Jahren ermordete "Mafia-Jäger" Paolo Borsellino (Archiv)

20 Jahre nach dem Mord am Mafia-Jäger Paolo Borsellino haben die Justizbehörden auf Sizilien drei Männer festgenommen. Dabei handelt es sich um den Mafia-Boss Salvatore Madonia, der als Auftraggeber des Mordes gilt, und um zwei weitere Mafiosi.

Die beiden hätten den Anschlag durchgeführt, teilten die sizilianischen Justizbehörden am Donnerstag mit. Die Festnahmen erfolgten im Rahmen einer neuen Untersuchung die um den Anschlag auf Borselllino in die Wege geleitet wurde.

Die neue Untersuchung kreist um die Aussagen eines abtrünnigen Mafioso, Gaspare Spatuzza, der sich zur Zusammenarbeit mit den Justizbehörden entschlossen hat.

Borsellino war im Juli 1992 mit fünf seiner Leibwächter bei einem Sprengstoffanschlag in Palermo getötet worden. Mit seinem ebenfalls im Jahr 1992 ermordeten Kollegen Giovanni Falcone war Borsellino zu einem Symbol des Kampfs gegen die Mafia aufgerückt.

Borsellino, der 52-jährig starb, bemühte sich, die internationalen Verbindungen der Cosa Nostra aufzudecken. Eine entscheidende Rolle spielte er beim Aufbau des sogenannten Anti-Mafia-Pools, einer Gruppe von Staatsanwälten, die Mitte der 1980er Jahre grosse Erfolge im Kampf gegen das organisierte Verbrechen erzielen konnte.

Anschläge brachte die Wende

Die Ermordung Falcones und Borsellinos markierte in Italien einen Wendepunkt in der Haltung der Bevölkerung zur Mafia. Hunderttausende demonstrierten unmittelbar nach Borsellinos Tod auf den Strassen Palermos.

Viele Sizilianer brachen ihr Schweigen und bekannten sich offen als Gegner der Mafia. Erpresste Geschäftsleute wehrten sich zunehmend, Zwangsgelder zu zahlen. Einige von ihnen mussten dies mit ihrem Leben bezahlen.

Wichtige Kronzeugen

Kurz nach Borsellinos Mord wurde eine neue Anti-Mafia-Gesetzgebung verabschiedet, die abtrünnigen Mafiosi genannt "Pentiti" ("Reuevolle") beträchtliche Strafmilderungen garantierte. Dank der Kooperation solcher Kronzeugen konnten die italienischen Behörden in den Jahren nach der Ermordung Borsellinos wichtige Erfolge im Kampf gegen die Cosa Nostra erzielen.

Entscheidend erwies sich im Januar 1993 die Verhaftung von Toto Riina, der Nummer eins der sizilianischen Mafia, der wegen des Mordes an Falcone zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Lebenslänglich hinter Gittern sitzt auch der Mafia-Boss Giovanni Brusca. Er hatte den Auslöser der Bombe gedrückt, die in Capaci den Mafiajäger Falcone tötete.

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