Pilgern
Hunderte pilgern zu Fuss von Muri nach Einsiedeln

Egal, ob religiöse, meditative, persönliche oder sportliche Gründe ausschlaggebend für die Teilnahme an der 59. Freiämter Fusswallfahrt waren: Zufrieden zeigten sich alle der rund 210 Teilnehmer.

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Hunderte pilgern zu Fuss von Muri nach Einsiedeln

Hunderte pilgern zu Fuss von Muri nach Einsiedeln

Sebastian Hagenbuch

Sebastian Hagenbuch

Das Oratorium der Einsiedler Klosterkirche ist zum Bersten voll. Nicht etwa Mönche aus dem Klosterdorf, sondern die Freiämter Pfarrer Benedikt Staubli aus Boswil und Urs Elsener aus Muri stehen vor dem Altar. Das oftmals deutlich sichtbare Gähnen der Kirchgänger sowie die Tatsache, dass jeweils nicht alle aufstehen mögen, hat durchaus seine Gründe.

Romy Breitenstein (51) «Die Ankunft in Einsiedeln war ein unglaublich tolles Gefühl. Ich bin schon stolz auf meine Leistung, heute hat einfach alles gepasst. Jetzt freue ich mich auf die Messe und ein gutes Abendessen.»

Romy Breitenstein (51) «Die Ankunft in Einsiedeln war ein unglaublich tolles Gefühl. Ich bin schon stolz auf meine Leistung, heute hat einfach alles gepasst. Jetzt freue ich mich auf die Messe und ein gutes Abendessen.»

Um 2 Uhr nachts losmarschiert

Es war bereits 2 Uhr nachts, als sich beim Hotel Engel in Muri eine Menschenmenge bildete. Sie war bereit, der Kälte zu trotzen und den beschwerlichen Weg nach Einsiedeln unter die Füsse zu nehmen. Bis nach Zug wurde in Gruppen marschiert und der Rosenkranz gebetet. Wer keine Lust auf das Gebet hatte oder seine Luft bereits hier zum Atmen einteilen musste, marschierte still und hatte Zeit, das spezielle Ambiente der in der Nacht betenden Pilger auf sich wirken und die Gedanken schweifen zu lassen.

Therese Nietlisbach, Boswil «Es war einfach super! Ich bin mittlerweile zum 9. Mal mitgelaufen und kann sagen, dass es süchtig macht. Der Abschied in der Kirche wird bestimmt schön.»

Therese Nietlisbach, Boswil «Es war einfach super! Ich bin mittlerweile zum 9. Mal mitgelaufen und kann sagen, dass es süchtig macht. Der Abschied in der Kirche wird bestimmt schön.»

Endlich, 6.30 Uhr, Zug, Zwischenverpflegung. Das Restaurant Brandenberg bot alles, was das hungrige Pilgerherz begehrte. Frisch gestärkt setzten die Fusswallfahrerinnen und -fahrer ihren Weg fort. Nun, im Morgengrauen, wurden sie für ihre Strapazen mit herrlichen Ausblicken auf den Zuger- und den Ägerisee belohnt. Auf das Beten wurde mittlerweile zugunsten einer intensiveren Atmung verzichtet. Der phasenweise steile Weg hatte es in sich.

Jo Sax (67), Risch «Ich bin wunschlos glücklich. Die Routenwahl war dieses Jahr ausgezeichnet, viele Wege führten übers Land. Ich wurde von meinen Schwestern überredet, das hat sich gelohnt. Die Messe rundet den Tag auf eine schöne Art und Weise ab.»

Jo Sax (67), Risch «Ich bin wunschlos glücklich. Die Routenwahl war dieses Jahr ausgezeichnet, viele Wege führten übers Land. Ich wurde von meinen Schwestern überredet, das hat sich gelohnt. Die Messe rundet den Tag auf eine schöne Art und Weise ab.»

In der heterogenen Pilger-Gesellschaft waren alt und jung vertreten. Seitens der Kinder war nun erstmals zu hören: «Mami, isches no wiit?»

Sonya Happert (33), Geltwil «Besonders das Morgenerwachen und der abschliessende Einmarsch ins Klosterdorf Einsiedeln waren unglaublich schön. Es ist ein tolles Gefühl, nach so langem Laufen sein Ziel erreicht zu haben. Zu Hause wartet als Erstes ein heisses Bad auf mich.»

Sonya Happert (33), Geltwil «Besonders das Morgenerwachen und der abschliessende Einmarsch ins Klosterdorf Einsiedeln waren unglaublich schön. Es ist ein tolles Gefühl, nach so langem Laufen sein Ziel erreicht zu haben. Zu Hause wartet als Erstes ein heisses Bad auf mich.»

Promienz war vertreten

Mit Milly Stöckli und Martin Köchli nahmen auch zwei Grossräte an der Freiämter Fusswallfahrt teil. Für Stöckli war es die erste Teilnahme, während Köchli bereits rund ein dutzend Mal nach Einsiedeln marschierte. «Für mich hat das Pilgern vor allem einen meditativen Grund», meint Köchli. Seine erste Teilnahme erfolgte mit 16 Jahren. Damals wurde er von den Eltern überredet, weil er nur knapp den Starrkrampf überlebte. Für Stöckli war vor allem auch die körperliche Herausforderung reizvoll. So wie ihr erging es mehreren «Pilgern». Einige nutzten die Fusswallfahrt gar, um für den Rigimarsch zu trainieren. Den religiösen Hintergrund respektierten jedoch alle.
Letztendlich waren alle Teilnehmer der Freiämter Fusswallfahrt zufrieden.

Adrian Wyder (50), Wohlen «Der ganze Tag war sehr inspirierend und meditativ für mich. Die Zeit in der Klosterkirche habe ich genossen, dieser Bau fasziniert mich einfach! Jetzt aber ab unter die Dusche.»

Adrian Wyder (50), Wohlen «Der ganze Tag war sehr inspirierend und meditativ für mich. Die Zeit in der Klosterkirche habe ich genossen, dieser Bau fasziniert mich einfach! Jetzt aber ab unter die Dusche.»

Pfarrer Urs Elsener zeigte sich besonders glücklich über die vielen jungen Pilger. Wie er war auch Organisator Paul Vollenweider zufrieden. «Das Gruppengefühl war faszinierend», so Vollenweider. Die müden Pilger wurden zum Schluss vom Car nach Hause gefahren.