"Milchpackungen sind Mogelpackungen", zeigte sich KAGfreiland-Geschäftsleiter Roman Weibel am Dienstag vor den Medien in Zürich überzeugt. Überall seien Kühe mit Hörnern abgebildet, doch die Realität sehe völlig anders aus.

Neun von zehn Kühen in der Schweiz leben ohne ihre Hörner - aus Sicherheitsgründen, und weil die Tiere im Stall so weniger Platz benötigen. Laut Angaben von KAGfreiland brennen Tierärzte und Landwirte jedes Jahr bei 200'000 Kälbern die Hornansätze aus.

Der Eingriff darf nur unter Betäubung durchgeführt werden, denn anders als etwa menschliche Fingernägel, sind Kuhhörner durchblutet und schmerzempfindlich. Problematisch sei bei diesen Eingriffen insbesondere, dass danach oft zu wenig Schmerzmittel verabreicht werde, so Weibel. Zudem sei das Infektionsrisiko hoch.

Die Hornkuh im Museum

KAGfreiland kritisiert das Ausbrennen aber auch deshalb, weil Hörner ein wichtiges Kommunikations- und Imponierwerkzeug sind und bei der Festsetzung der Rangordnung eine wichtige Rolle spielen.

Dass behornte Kühe ein Sicherheitsrisiko sein sollen, lässt KAGfreiland nicht gelten. Mit genügend grossen Laufställen sei die Verletzungsgefahr nicht grösser als mit hornlosen Kühen - von ein paar harmlosen Blutergüssen an Eutern abgesehen.

Als "Horn auf!"-Maskottchen hat sich KAGfreiland die Winterthurer Kuh Sibylle ausgesucht, die durch ihre Teilnahme in der Fernsehshow "Wetten dass..." international bekannt wurde, weil sie mit ihrem Bauern auf dem Rücken einen Springparcours absolvieren konnte. Stellvertretend für alle Hornkühe wurde sie am Dienstag ins Zoologische Museum Zürich geführt.

Bauernverband: "Individuelle Entscheidung"

Der Schweizerische Bauernverband (SBV) ist von der KAG-Aktion nicht begeistert. Er findet, es sei eine individuelle Entscheidung, ob ein Landwirt die Kühe mit oder ohne Hörner halten wolle.

Die Haltung mit Hörnern sei zwar nicht unmöglich, aber risikoreicher, aufwändiger und teurer, wie der SBV in einer Mitteilung schreibt.