Amtsgericht
«Hitzköpfe» in der Latino-Bar

Nach drei Jahren ist den unklaren Verhältnissen um einen Raufhandel in der Latino-Bar ein Ende gesetzt. Das Amtsgericht Solothurn-Lebern hat sämtliche Schläger verurteilt.

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Aargauer Zeitung

Judith Nydegger

Es waren turbulente Szenzen, welche sich in der Nacht des 28. August 2008 in der ehemaligen Latino-Bar am Solothurner Hauptbahnhof abspielten. Sechs junge Männer lieferten sich eine Schlägerei, in dessen Verlauf der serbische Staatsangehörige Mirco* eine CO2-Pistole zückte und den jüngeren Murat* an Arm und Kopf verletzte. «Versehentlich», wie es der damals 21-jährige Schütze ausdrückte, traf er auch zwei seiner Kumpanen.

Damit aber nicht genug: Danach begann er mit einem Schlagstock auf Murat einzuschlagen, wobei das Opfer eine Platzwunde am Kopf erlitt. Keiner der Beteiligten bemerkte während des Gemenges die Projektile unter der Haut, die später operativ entfernt werden mussten. Noch vor Eintreffen der Polizei flohen vier der Schläger, währenddem einer der Mitstreiter versuchte, die Tat zu vertuschen, indem er die Waffen versteckte.

Widersprüchliche Aussagen

Angefangen haben soll das Ganze, indem ein stark alkoholisierte Kollege von Mirco und der Begleiter von Murat aus ungeklärten Gründen aneinandergerieten. «Ich versuchte nur zu schlichten», begründeten Mirco, Murat sowie zwei weitere Angeklagte ihr Eingreifen.

Auf die Frage, wieso er die CO2-Pistole und den Schlagstock bei sich hatte, konnte der selbstsicher wirkende und reuige Mirco nur mit einem Schulterzucken antworten. Auch die Aussagen seiner drei Schlägerkollegen blieben vage. Der eine meinte: «Die Schlägerei war wegen nichts. Alle haben überreagiert.»

Die beiden zahlenmässig unterlegenen damals 18-jährigen Männer der Gegenpartei betrachteten sich dabei gänzlich als Opfer und beriefen sich auf Notwehr. Dies quittierte der Richter in der Urteilsverkündung jedoch als unwahrscheinlich.

«Massive Verletzungen»

Als «relativ harmlose Schlägerei» zwischen «Streithähnen», beschrieb der Rechtsvertreter des Schützen den Vorfall. Zudem argwöhnte er, ob die Gasdruckpistole überhaupt zu gefährlichen Verletzungen tauge. Diese Ausführungen verurteilte Murats Anwalt hingegen als «Bagatellisierung».

Bestätigt wurde dies von Amtsgerichtspräsident Frank-Urs Müller, der die Verletzungen als «massiv» qualifizierte. Er zeigte sich unbeeindruckt von den Versuchen der Angeklagten, die Schuld auf die anderen abzuwälzen: Alle wurden wegen Raufhandels zu bedingten Freiheits- und Geldstrafen mit einer jeweiligen Probezeit von zwei Jahren verurteilt. Es sei gerade der Sinn dieses Tatbestandes, dass nicht jeder Tatbeitrag genau nachgewiesen werden könne.

Eine bedingte Freiheitsstrafe von 10 Monaten wegen einfacher Körperverletzung erging für den Schützen Mirco und eine weitere bedingte Freiheitsstrafe von 6 Monaten für Murat. Das Strafmass beinhaltet weitere Delikte unabhängig der Schlägerei - unter anderem fahrlässige Verursachung eines Feuers und Fahren in angetrunkenem Zustand.

*Name von der Redaktion geändert

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