Heiler soll 18 Menschen mit HIV angesteckt haben

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Das Berner Inselspital hat von 18 Patienten herausgefunden, dass sie vermutlich alle von einem Heiler mit dem HIV-Virus angesteckt worden sind.

Ein Heiler aus Bern soll bei der Akupunktur 18 seiner Patienten mit HIV angesteckt haben. Bei den zuerst unerklärlichen Ansteckungen fiel dem Inselspital irgendwann auf, dass sie alle denselben Heilpraktiker besucht hatten, schreibt der «Sonntags Blick».

Bei dem Fall würde es sich um die grösste Massen-Aidsansteckung handeln, die die Schweiz je erlebt hat.

Der erste Vorfall datiert vom Juni 2004: Ein Patient sagt gegenüber den Verantwortlichen im Spital, dass er der Überzeugung ist, seine Aids-Infizierung könne nur von diesem Heiler stammen.

Ein halbes Jahr später werden bei zwei weiteren Patienten im Spital unerklärliche Aids-Infizierungen diagnostiziert, worauf das Spital misstrauisch wird. Alle drei Patienten gehörten keiner Risikogruppe an, hatten dafür aber alle Kontakt zu dem Heiler.

Das Inselspital durchsucht rückwirkend seine Akten nach ähnlichen Fällen und fragt seine Patienten gezielt nach einem Kontakt zu dem Heiler.

Das Resultat ist schockierend: «Wir fanden rückwirkend 18 Fälle, die einen Bezug zum Akupunkteur hatten und alle HIV-positiv waren. Das Inselspital übergab den Berner Untersuchungsbehörden eine anonymisierte Liste dieser Fälle», sagte Markus Hächler, Mediensprecher des Berner Inselspitals gegenüber dem «Sonntags Blick».

Er streitet alles ab

Die drei ersten Betroffenen reichen umgehend eine Anzeige ein, worauf der Akupunkteur zwischenzeitlich im Untersuchungsgefängnis inhaftiert wird. Inzwischen ist er wieder auf freiem Fuss.

«Ich kann aus Gründen des Amtsgeheimnisses keine Stellung nehmen.», sagt der zuständige Untersuchungsrichter Hermann Fleischhackl. Der Verdächtige streitet alles ab.

Dank einem speziellen Verfahren konnte an der Uni Zürich bei neun untersuchten Patienten festgestellt werden, dass ihre HIV-Virenstämme alle nahe miteinander verwandt sind, was den Verdacht einer gemeinsamen Quelle erhärtet.

Anklage wurde bisher trotzdem noch keine erhoben, weil die Beweislage hieb- und stichfest sein muss.

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