Brustimplantate

Gründer von Brustimplantate-Firma PIP gegen Kaution freigelassen

Interpol-Bild von Jean-Claude Mas. keystone

Interpol-Bild von Jean-Claude Mas. keystone

Im Skandal um mangelhafte Brustimplantate ist der Gründer der Firma PIP am Freitag wieder auf freien Fuss gesetzt worden. Er bezahlte eine Kaution über 100'000 Euro. Die Anklage gegen Jean-Claude Mas lautet nun auf Körperverletzung und nicht mehr fahrlässige Tötung.

Damit droht dem 72-jährigen Mas eine geringere Strafe. Neben der Kaution verhängte das Gericht in Marseille auch die Auflagen, dass Mas das Land nicht verlassen und sich nicht mit früheren Managern seiner Firma Poly Implant Prothèse (PIP) treffen darf.

Mas war am Donnerstag festgenommen worden. Bei seiner Vernehmung habe er "hunderte Fragen" beantwortet, teilte sein Anwalt Yves Haddad nach einer mehr als zweistündigen Anhörung vor dem Untersuchungsrichter in Marseille mit.

Bereits in einem früheren Polizeiverhör hatte Mas zugegeben, drei Viertel seiner Prothesen mit einem Billig-Gel gefüllt zu haben, das er mit einem eigentlich für Industrieprodukte bestimmten Silikon mischte. Das Produkt sei aber nicht schädlich gewesen. Dies hätte der Unternehmer angegeben, der das Industrieprodukt herstellt.

Hausdurchsuchung

Gegen Mas ermittelt die Staatsanwaltschaft Marseille. Um mögliches Beweismaterial zu sichern, durchsuchten Fahnder am Donnerstag unter anderem die luxuriöse Villa von Mas' Lebensgefährtin in Six-Fours-les-Plages im Süden Frankreichs. Dort hatte sich der Angeklagte zuletzt aufgehalten. PIP ist seit 2010 insolvent.

Die Staatsanwaltschaft äusserte sich nicht zu dem Ergebnis der Durchsuchungsaktionen und zur Vernehmung von Mas. Sie ermittelt in dem Fall auch wegen fahrlässiger Tötung, hat aber bislang offensichtlich nicht genügend Beweise, um auch wegen dieses Vorwurfs eine Anklageverfahren einzuleiten. Nach Angaben seines Anwalts hat Mas in Bezug auf diesen Verdacht weiter Zeugenstatus.

Bisher kein Zusammenhang

Die Ermittlungen gegen Mas laufen, seitdem in Frankreich Krebserkrankungen von Frauen mit PIP-Implantaten bekanntwurden. Nach jüngsten Angaben der Aufsichtsbehörde AFSSAPS wurden 20 Fälle registriert.

Die AFSSAPS betont allerdings, dass bislang kein Zusammenhang zwischen Tumorentstehung und den vermutlich leicht platzenden Billig-Implantaten bewiesen sei.

In einer beispiellosen Aktion hatte die Regierung in Paris im Dezember dennoch 30'000 französischen Frauen eine vorsorgliche Entfernung ihrer PIP-Brustimplantate empfohlen. Andere Länder wie Deutschland folgten.

Weltweit sollen 400'000 bis 500'000 Frauen die minderwertigen Silikonkissen der Firma erhalten haben. In der Schweiz tragen gemäss Angaben von Swissmedic rund 280 Frauen PIP-Brustimplantate. Swissmedic verzichtete auf eine Empfehlung zur vorsorglichen Entfernung der Implantate.

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