Marisa Cordeiro

Das Zweifamilienhaus mit Garten steht an der Hauptstrasse 43 in Rüdtligen-Alchenflüh. Es ist geräumig und bietet verschiedene Möglichkeiten, es zu nutzen. Gegenwärtig fällt das Haus in der Nähe des Schulhauses, des Kindergartens und des Bahnhofs allerdings wohl kaum jemandem auf. In wenigen Monaten aber dürfte es drin und drum herum bereits bunt zu und her gehen: Seine neue Bestimmung ist es nämlich, Kindern ab drei Monaten bis zur neunten Klasse ein zweites Zuhause zu bieten, jenes in der Kindertagesstätte, beziehungsweise in der Tagesschule des Vereins Leolea.

Ein besonderes Projekt für beide

Dieser Name erinnert an den Refrain eines Sommerhits. Doch an die sonnigste Jahreszeit ist der Name nicht angelehnt. «Er setzt sich zusammen aus Lebensorte und Lebensart für Kinder», wie Christiane Bohni, Leolea-Geschäftsführerin anlässlich der gestrigen Medienorientierung sagte.
Für den Verein ist das künftige «Chinderhus» in Alchenflüh ein besonderes Projekt: «Dies, weil dort die Kleinsten mit den Grössten unter einem Dach betreut werden», sagte Bohni. Kommt hinzu, dass die Region rund um Alchenflüh bisher als weisser Fleck galt, was die familienergänzende
Kinderbetreuung anbelangt. Gemeindeschreiber Urs Lüthi, der gestern Rüdtligen-Alchenflüh vertrat, bezeichnete das «Chinderhus» gar als Pionierprojekt - «weil es die kantonalen Forderungen nach Kinderkrippen, Tagesschulen und Mittagstisch in einem vereint.» Lüthi betonte: «Dafür eine halbwegs akzeptable Lösung zu finden ist eine gewaltige Herausforderung für die Gemeinden.»

Das Ziel sei es deshalb gewesen, ein zukunftsgerichtetes Angebot zu finden. Auf der Suche nach einem professionellen Anbieter sei man schliesslich auf den Verein Leolea gestossen, womit das Warten auf ein familienergänzendes Kinderbetreuungs-Angebot schon bald ein Ende finden sollte. Der Verein Leolea wurde im 2004 gegründet und im 2005 mit fünf Mitarbeitenden operativ tätig. Mittlerweile beschäftigt er 160 Personen und betreibt nebst sieben Kindertagesstätten in Bern und Burgdorf einen Waldspielort. Auch führt er im Auftrag der Stadt Bern die Tageselternvermittlung durch.

Eingewöhnungszeit ist wichtig

In Alchenflüh startet das Chinderhus mit zwei pädagogisch ausgebildeten Personen.
Eine von ihnen ist die 47-jährige Leiterin Pia Weibel, die bereits Führungserfahrungen hat. «Wir werden Wert auf eine Eingewöhnungsphase legen», sagte Weibel gestern, «schliesslich hat es sich ein jedes Kind nicht selber ausgesucht, zu uns zu kommen.»

Ein Betreuungsplatz im Chinderhus kostet 105 Franken pro Tag, einschliesslich Verpflegung. Von 14 Kita-Plätzen subventioniert der Kanton zehn. Ausserdem hat die Gemeinde bei der kantonalen Erziehungsdirektion die Finanzierung von 20 Betreuungsplätzen für Kinder ab Schuleintritt bis zur 7. Klasse beantragt. Der Betrieb des Chinderhus erfolgt vollumfänglich durch Leolea. Für die Gemeinde entstehen keine Kosten.

Das Chinderhus Alchenflüh und Umgebung öffnet seine Türen am 3. August 2009. Am 12. Mai findet im 20 Uhr eine Informationsveranstaltung im Gemeindesaal von Rüdtligen-Alchenflüh statt. Infos unter www.alchenflueh.leolea.ch