Mazedonsiches zentrum in Triengen
Gotteshaus der mazedonisch-orthodoxen Kirchgemeinde in Triengen aufgerichtet

Als der mazedonische Aussenminister Antonio Miloschoski Anfang Mai die Schweiz besuchte, war er zuerst in Triengen, bevor er tags darauf mit den Bundesräten Calmy-Rey und Merz konferierte. Warum? Hier entsteht das Zentrum der mazedonisch-orthodoxen Kirche der Schweiz. Am Freitag war Aufrichtefeier.

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Mazedonische Kirche

Mazedonische Kirche

Aargauer Zeitung

«Uns fehlt es mehr an Geld als an Zeit», sagt Architekt Marjan Cvetkovik aus dem Zürcher Oberland. Wann die Kirche in Triengen eingeweiht werden kann, ist ungewiss. Nächstes Jahr, rechnet er. 1,8 Millionen Franken kostet der Bau, und die Mitglieder der Kirche spenden Geld oder leisten Frondienste. Im bisherigen provisorischen Kirchenraum stehen als Spenden Kleider und Badetücher zum Verkauf. Auch der Architekt arbeitet ehrenamtlich. Zeit zum Feiern haben sie dennoch, und die Handwerker aus Triengen und Umgebung, auch aus der Aargauer Nachbarschaft, lassen sich das Richtfest nicht entgehen, ebenso wenig der Vertreter der örtlichen Bank.

Und wer entsteigt dem edlen dunkelblauen Mercedes mit CD-Nummernschild? Jasmin Kabil, Geschäftsträger der mazedonischen Botschaft in der Schweiz samt Gattin. «In der Schweiz leben 62'000 Mazedonier», sagt er, ein knappes Prozent der Bevölkerung, wobei 70 Prozent davon muslimische Albaner seien. Dass es in Triengen geklappt hat mit einem Zentrum, freut ihn. Die Kirche soll auch ein Kulturzentrum sein; zwölf Vereine helfen tatkräftig mit, die Kirche zu bauen.

2150 Familien werden eingeladen
Venko Stoikov aus Horw ist Sekretär der Kirchgemeinde. Er schreibt jeweils 2150 Familien in der ganzen Schweiz an, wenn es um grössere Anlässe geht. Die grössten Feste sind Weihnachten, Ostern, dazu Maria Himmelfahrt und Maria Empfängnis. Allerdings werden sie jeweils 14 Tage später als bei uns üblich gefeiert. «Maximal kommen an diesen Festen 600 bis 700 Leute nach Triengen», sagt Stoikov. Am Sonntag gibt jeweils Messfeiern mit rund 50 Teilnehmern, dazu kommen Taufen und Hochzeiten. «Ich bin seit Juli 2008 wohl schon 15 Male hier gewesen», sagt der Botschaftsvertreter. Jeweils sonntags und auf Abruf hält ein junger mazedonisch-orthodoxer Priester aus Lausanne die Feiern.

In der neuen Kirche finden etwa 200 Personen Platz. Die Kirche steht nun im Rohbau. «Den Aussenputz machen wir in Eigenregie», sagt er. Für den Innenraum fehlen die eigenen Fachkräfte. Darauf spezialisierte Künstler werden die Wandmalereien vornehmen, die einen speziellen Untergrund brauchen. Auch der Glockenturm auf der Westseite muss noch gebaut werden.

Nur einmal im Leben
Bauführer Daniel Sulzberger geht mit Marjan Cvetkovik einig: Ein solches Werk baut man nur einmal im Leben. In Westeuropa gibts noch vergleichbare Kirchen in Dortmund und in Malmö, wo der für Europa zuständige Erzbischof, Metropolit Pimen, lebt. Das aufwändige Prunkstück des Baus, die handgeschnitzte Verkleidung des Altarraums auf der Südseite der Kirche, wird zurzeit in Mazedonien hergestellt. Nicht nur, aber auch eine Preisfrage: Pro Tag könne ein Mann einen Quadratdezimeter machen, sagt der Architekt.
Stefan, das Oberhaupt der mazedonisch-orthodoxen Kirche, hat bestimmt, dass die Schweizer Kirche dem Heiligen Naum Ohrider geweiht wird. «Das ist gut so, sonst hätte jeder einen anderen Vorschlag», meint einer der freiwilligen Helfer. Und er kennt die Geschichte dieses Wundertäters und Naturheilers. Er habe es geschafft, einem Bauern, der seinen Ochsen an den Bären verloren habe, just diesen Bären den Pflug ziehen zu lassen. Auch soll der Mönch die Tochter des Königs wieder gesund gemacht haben. Naum bekommt in der neuen Kirche (wie jetzt im Provisorium, wo die Aufrichtefeier stattfindet) den Platz auf der linken Seite neben Maria, während rechts Jesus, begleitet von Johannes dem Täufer, dargestellt ist.

Vorher in Spreitenbach
Im Jahr 2000 hat die Kirchgemeinde das Grundstück gekauft. Vorher genoss die Kirche bei der katholischen Kirche in Spreitenbach Gastrecht; auch gibt es in Locarno eine Kirchgemeinde, allerdings ohne eigene Kirche. Bis jetzt fanden die Feiern im ehemaligen Gebäude des Baugeschäfts Bara statt. Ist die neue Kirche «in Betrieb», soll auf dem Platz des Provisoriums ein zweites Gebäude entstehen mit Saal, WCs und Büros, sagt Venko Stoikov.