Kühe

Gibts bald wieder Kühe oben mit?

Tierschützer wollen wieder mehr Kühe mit Hörnern sehen

Tierschützer wollen wieder mehr Kühe mit Hörnern sehen

Tierschützer wollen wieder mehr Hörner sehen. Deshalb organisierten sie einen Spaziergang einer behornten Kuh durch die Zürcher Innenstadt. Bei den Bauern löst die Aktion Kopfschütteln aus.

Hatte eine Kuh früher schöne Hörner, freute sich der Bauer. Heute sind 90 Prozent der Schweizer Kühe enthornt. Dabei geben behornte Kühe laut Experten die bessere Milch.

Jessica Pfister

Die schwarz-weiss gefleckte Kuh Lovely, die in Werbespots für Swissmilk Bälle kickt und tanzt, trägt selbstverständlich Hörner. Was viele nicht wissen: Der Kopfschmuck ist nicht echt, sondern wurde mit dem Computer aufgesetzt. Denn Lovely hat in Wirklichkeit gar keine Hörner.

Das Beispiel der Swissmilk-Kuh zeigt, was heute längst die Norm ist. 90 Prozent der Schweizer Kühe sind «oben ohne». Gemäss dem Bundesamt für Veterinärwesen werden jährlich 200 000 Kälber enthornt.

Für die Nutztierschutz-Organisation Kagfreiland ein unhaltbarer Zustand. «Wir fürchten, dass es in einigen Jahren Kühe mit Hörnern nur noch in der Werbung oder im Museum zu sehen gibt», sagt Geschäftsleiter Reto Weibel. Um zu zeigen, warum Hörner für die Kuh wichtig sind, startet die Nutztierschutz-Organisation heute das Projekt «Horn auf!».

Hornmilch für Allergiker

«Wir wollen unter anderem den grossen Detailhändlern und Milchproduzenten aufzeigen, dass man Milch oder Käse von Hornkühen auch gut vermarkten kann», so Weibel. Denn wie Studien zeigen: Die Milch von Hörner tragenden Kühen ist selbst für Allergiker bestens verträglich. Woran liegt das? «Das Horn ist ein durchblutetes Körperteil. Die Gase, welche die Kuh bei der Verdauung produziert, durchströmen den Kopf bis in den Hornzapfen hinein» erklärt Demeter-Bäuerin Susanne Schwärzler. Wird das Horn einfach abgesägt, gerate der Gashaushalt und damit der Stoffwechsel des Tieres ins Ungleichgewicht, was folglich die Milch beeinträchtige.

Neben der Milchqualität sieht Claudia Schneider von der Fachgruppe Tiergesundheit beim Forschungsinstitut für biologischen Landbau (Fibl) auch Vorteile für die Tiere selbst. «Hörner helfen, die Sozialstruktur in einer Herde stabil zu halten.» Ein kurzes Imponieren genüge, und die Kühe würden einander ausweichen.

Anderer Meinung ist man beim Schweizerischen Bauernverband (SBV): «Die Frage der Hörner ist in erster Linie eine Sicherheits- und Tierhaltungsfrage», so SBV-Sprecherin Sandra Helfenstein. Früher seien die Kühe traditionellerweise in Anbindeställen gehalten worden. Mit den neuen, tierfreundlicheren Laufställen, in denen sich die Tiere frei bewegen können, steige die Gefahr von Rangkämpfen. «Auch für die Bauernfamilien erhöht sich das Risiko von Verletzungen.»

Aufwand und Kosten

Das Verletzungsrisiko ist auch ein Argument, das die Biobranche ins Feld führt. Denn selbst dort ist das Enthornen der Tiere kein Tabu. Bei Bio Suisse steht es dem Bauern frei, ob er seine Kühe mit oder ohne Horn halten will – vorausgesetzt die Tiere werden als Kälbchen enthornt und nicht als erwachsene Kühe. «Grundsätzlich begrüssen wir die Haltung von behornten Kühen», sagt Pressesprecherin Sabine Lubow. Man müsse aber berücksichtigen, dass dazu der Laufstall umgebaut werden müsse, weil Kühe mit Hörnern mehr Platz brauchen würden. «Nicht jeder Bauer kann die zusätzlichen Kosten tragen», erklärt Lobow.

Schneider vom Fibl hat dafür wenig Verständnis: «Statt die Haltungssysteme den Tieren anzupassen, passt man die Tiere den Systemen an, das ist nicht in Ordnung.»

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