Gaudenz Oetterli

Die Diskussionen nehmen kein Ende. Über einen Monat ist es her, seit der Verteilschlüssel für das Regionsprogramm Kultur vorgestellt wurde. Und dieser sorgt auch jetzt noch für heftige Diskussionen, wie die Gemeindepräsidienkonferenz Wasseramt am Dienstag zeigte. Als Vertreter für das Regionsprogramm Kultur - und nicht als Prügelknabe, wie er betonte - war Johannes Friedli (Präsident der Regionalplanungsgruppe Solothurn und Umgebung) an der Präsidenten-Konferenz anwesend. Friedli warb dafür, auf gemeindeübergreifender Ebene die Bedenken und Unzufriedenheiten im Kulturbereich anzugehen. «Aber nicht mit den Kosten im Vordergrund, sondern mit dem Ansatz, wie viel Kultur man will und wie viel diese Wert sein soll.»

Dorfkulturschaffende ohne Verständnis

«Wir Wasserämter Gemeinden sind dafür bekannt, dass wir Regionalisierungen gut umsetzen», sagte Rolf Späti (Heinrichswil-Winistorf), «aber nur dann, wenn Synergien entstehen und etwas für die einzelne Gemeinde billiger kommt.» Doch dies sei beim Regionsprogramm Kultur nicht möglich. Dieses bedeute immer eine Mehrbelastung. «Egal nach welchem Schlüssel Gemeindebeiträge verteilt werden, es wird immer happig sein.» Denn um das ganze Spektrum an Kultur abzudecken, brauche es eben ein riesiges Angebot.

In einer Diskussion um Zentrumslasten dreht der Wind schnell einmal und die Beteiligten sprechen den Zentrumsnutzen an. So auch die Wasserämter Gemeindepräsidenten. «Ich habe mich bei unseren Dorfvereinen umgehört. Diese fühlen sich im Vergleich mit den städtischen Kulturschaffenden benachteiligt. Denn sie erhalten für ihr Engagement von der Gemeinde nur 300 Franken. Den Rest müssen sie sich von Tür zu Tür bei den Einwohnern erarbeiten», sagte etwa Arnold Stotzer, Gemeindepräsident von Recherswil.

Teilweise mangelnde Solidarität

Eine solche Diskussion hielt Johannes Friedli für müssig. Es gebe viele Modelle, um Zentrumslasten auszurechnen, aber keines, um den Zentrumsnutzen zu beziffern. «Zudem ist es eine Tatsache, dass die Stadt Solothurn 600 Franken pro Einwohner für Kultur ausgebe, die Gemeinden der Region 25 Franken.» Friedli warb für ein Eintreten auf das Geschäft, schliesslich könne man das Thema nicht einfach so auf die Seite schieben, nur weil man sich daran störe. «Ein Grund mehr, darauf einzutreten, die Probleme zu diskutieren.»

Nicht eintreten auf das Geschäft wollte Eduard Gerber. Er kritisierte die mangelnde Solidarität einiger Gemeinden: «Solange nicht alle ihre Beiträge gezahlt haben, die sie hätten zahlen sollen, sollten wir nicht eintreten.»

Arbeitsgruppe für Situationsanalyse

Anderer Meinung war Peter Jordi, Gemeindepräsident der Gastgebergemeinde Gerlafingen. Die Konferenz müsse auf das Geschäft eintreten, sagte er und verwies auf die neunmonatige Postleitzahlerhebung. «Wenn ich sehe, dass 4000 Eintritte von Gerlafingern stammen, zeigt mir dies, dass die Kulturinstitutionen nicht ein Luxus sind, sondern ein Bedürfnis der Bevölkerung.» Das Angebot müsse also erhalten bleiben, denn: «Eine starke Region braucht ein starkes Zentrum.»

Ebenfalls für Eintreten sprach sich Bruno Meyer (Etziken) aus. «Wir können Regionalisierungsprojekte an Gemeindeversammlungen gut vertreten, wenn wir deren Nutzen aufzeigen können. Wir müssen schauen, dass wir dies auch im Bereich Kultur können.» Mit dem vorliegenden Papier sei dies aber nicht möglich und deshalb müsse es überarbeitet werden.

Im gleichen Atemzug erklärte sich Meyer bereit, in einer allfälligen Arbeitsgruppe mitzuwirken, sollten weitere Gemeindepräsidenten dabei sein. Und das waren sie: Martin Blaser (Biberist), Rolf Späti und Thomas Beer (Bolken) stellten sich ebenfalls für die Arbeitsgruppe zur Verfügung. Die vier Gemeindevertreter sollen nun abklären, wie viel Kultur die Gemeinden wollen, was es braucht und wie man die Kosten fair auf alle verteilen kann.