Geldwäscherei

Geldwäscherei-Zeuge der Schweizer Behörden in England tot gefunden

Britische Polizisten im Einsatz (Symbolbild)

Britische Polizisten im Einsatz (Symbolbild)

Ein 44-jähriger russischer Geschäftsmann ist am 10. November tot vor seinem Haus in Grossbritannien aufgefunden worden. Der Mann soll laut der englischen Zeitung «The Independent» ein wichtiger Zeuge der Schweizer Ermittlungsbehörden in einer Untersuchung wegen Geldwäscherei gewesen sein.

Alexander Perepilichnyy, der vor drei Jahren nach Grossbritannien gekommen war, wurde nach einem Zusammenbruch vor seinem Luxusanwesen in der Kleinstadt Weybridge in der Grafschaft Surrey im Südosten Englands tot aufgefunden.

Die Todesursache ist zurzeit nicht bekannt. Gemäss der Polizei von Surrey müssen die gerichtsmedizinischen Untersuchungen abgewartet werden - vor allem der toxikologische Bericht.

Laut dem "Independent" war Perepilichnyy der wichtigste Zeuge der Schweizer Behörden, die gegen russische Funktionäre ermitteln. Diese werden verdächtigt, Geld zu Lasten des Investmentfonds Hermitage Capital Management gewaschen zu haben.

Dabei soll es laut Hermitage um 5,4 Milliarden Rubel gehen - das sind mehr als 160 Millionen Franken. Die Schweizer Bundesanwaltschaft bestätigte der Nachrichtenagentur sda lediglich, dass sie von Perepilichnyy Informationen erhalten hatte.

Zusammenhang mit Todesfall Magnizky

Der Tod des russischen Geschäftsmannes steht im Zusammenhang mit einem anderen Todesfall: Vor gut vier Jahren hatte Sergej Magnizky, Anwalt von Hermitage Capital Management, die Machenschaften der russischen Funktionäre aufgedeckt und hätte als Kronzeuge aussagen sollen.

Darauf hin wurde er selbst wegen Steuerbetrugs angeklagt - laut Hermitage von jenen, die er angezeigt hatte - und im November 2008 festgenommen.

Im Gefängnis starb der damals 37-Jährige. Ein offizieller Bericht aus Russland kam 2011 zum Schluss, dass er Opfer von Schlägen von Beamten geworden war. Ihm war ausserdem nach der Misshandlung die nötige medizinische Versorgung verweigert worden.

Die Schweizer Bundesanwaltschaft eröffnete schliesslich im März 2011 eine Untersuchung wegen des Verdachts auf Geldwäscherei. Später reichte die britische Anwaltskanzlei Brown Rudnick im Namen des Investmentfonds eine Strafanzeige ein. Die vermutlich gewaschenen Gelder wurden laut der französischen Nachrichtenagentur AFP eingefroren.

EU-Parlament hat reagiert

Magnizky war nicht das einzige Opfer in diesem Fall. Die vielen Todesfälle veranlassten daher das EU-Parlament Ende Oktober dazu, eine Resolution anzunehmen, welche die EU-Mitgliedstaaten auffordert, die involvierten russischen Funktionäre auf eine Liste zu setzten.

Wer auf dieser Liste steht, soll in der EU Reisebeschränkungen unterworfen sein. Ausserdem soll ihr Vermögen und das ihrer Familie in der EU eingefroren werden.

Perepilichnyy ist der vierte Mensch, der im Zusammenhang mit diesem Geldwäscherei-Fall sein Leben auf ungeklärte Art und Weise verloren hat.

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