Von Sebastian Hagenbuch

Wer mit dem Begriff «pilgern» konfrontiert ist, denkt wohl als Erstes an Mekka und nicht unbedingt an die Freiämter Fusswallfahrt. Dabei hat sich der Anlass, welcher bereits zum 9. Mal von Paul Vollenweider organisiert wird, etabliert. «Wir haben konstant zwischen 180 und 220 Teilnehmer», erklärt Vollenweider. Sorgen um die Zukunft der Fusswallfahrt macht er sich deshalb keine. «Zudem ist die Freiämter Fusswallfahrt 1950 gegründet worden. Auslöser war unter anderem die wirtschaftlich sehr schwierige Zeit, geprägt von Arbeitslosigkeit und Existenzängsten», erklärt Vollenweider. Heute, da uns die Wirtschaftskrise wieder fest im Griff habe, gebe es Parallelen. «Die Leute vertrauen in schwierigen Zeiten mehr auf Gott», so Vollenweider.

Kein sportliches Ereignis, sondern ein religiös motivierter Anlass im ursprünglichen Sinne soll die Fusswallfahrt sein. Anders als beispielsweise beim Rigimarsch ist das sportliche Element nur Mittel zum Zweck: zum Erreichen des Klosterdorfes Einsiedeln. «Die Fusswallfahrt schafft eine enge Beziehung zu Gott, Mensch und der Natur», sagt Vollenweider. Am meisten freut sich der Organisator jeweils auf die feierliche Schlussmesse, welche mit Posaunen, Orgeln und Gesang im Oratorium in Einsiedeln stattfindet.

Auf der Strecke zwischen Muri und Zug, welche jeweils ab 2 Uhr nachts in Angriff genommen wird, beten die Pilger in Wandergruppen den Rosenkranz. Jeder Gruppe wird ein Vorbeter zugeteilt. «Falls jemand nicht mitbeten möchte, muss er auch nicht. Diese Leute sind gehalten, sich ruhig zu verhalten und die anderen nicht zu stören», erklärt Paul Vollenweider, der sich als «Real-Katholik» und nicht als überfromm bezeichnen würde. In Zug können sich die Christen verpflegen und Kräfte sammeln für den zweiten Teil der Fusswallfahrt. Denn der Glaube allein setzt nicht immer genügend Kräfte für den anstrengenden Marsch frei. «Die Pilger vertrauen auch auf Tabletten und andere Aufputschmittel», so Vollenweider.

Besonders erfreulich ist für den Verantwortlichen der Fusswallfahrt auch die Tatsache, dass er viele Leute jedes Jahr wieder zur Fusswallfahrt begrüssen darf. Ältere, aber auch viele jüngere Pilger. «Wir sind eine zusammengewürfelte Gruppe, bei der aber jeder weiss, worum es geht», freut sich Vollenweider. Obwohl grossmehrheitlich Katholiken an der Fusswallfahrt teilnehmen, seien reformierte Gläubige ebenfalls willkommen. Die Freiämter Fusswallfahrt findet jährlich am letzten Samstag im April statt. Heute also dürften die diesjährigen Teilnehmer bereits Muskelkater haben.