Ex-Polizeichef von Zofingen muss nun doch vor Gericht

Regionalpolizei Zofingen

Regionalpolizei Zofingen

Neuigkeiten im Fall des Ex-Regionalpolizeichefs von Zofingen, der im Sommer 2009 wegen Drogendelikten in U-Haft sass: Er muss sich im November vor den Richtern verantworten.

Michael Spillmann

Die zuständige Staatsanwältin fordert eine bedingte Freiheitsstrafe von 14 Monaten mit einer Probezeit von 4 Jahren. Zudem ist eine Busse von 2500 Franken beantragt.

Die Vorwürfe: Mehrfache Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz und gegen das Heilmittelgesetz. Doch das ist noch nicht alles: Der Thurgauer ist zusätzlich wegen Pornografie und einer Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz angeklagt.

Welche Vorwürfe der Anklagepunkt «Pornografie» beinhaltet, war bei der Staatsanwaltschaft nicht zu erfahren. Es soll sich aber um einen «untergeordneten Punkt» im Verfahren handeln.

Die Staatsanwältin hat vor rund drei Wochen Anklage erhoben. Dies, obwohl es erst Hinweise darauf gegeben hatte, dass der fehlbare Polizist mit einem Strafbefehl davonkommen könnte. Nun muss er für seinen «Fehler», wie er sich in einer Einvernahme reuig gezeigt hatte, doch vor Gericht erscheinen.

Ecstasy und Narkosemittel

Die Verhaftung des Regionalpolizeichefs hatte Mitte August 2009 wie eine Bombe eingeschlagen. Rückblick: Bei der Hausdurchsuchung am Wohnort des Polizisten fanden die Ermittler Ecstasy, Thai-Pillen, so genanntes «Crystal» und auch Tiernarkosemittel «im Gramm-Bereich».

Zeitgleich wurde der damals 36-jährige Mann an seinem Arbeitsplatz verhaftet. Unter dem Verdacht, «mit einer grösseren Menge synthetischer Drogen gehandelt zu haben», sass er mehrere Tage in U-Haft.

Polizist belastete Polizeichef

Ins Rollen gebracht hatte den Fall ein ehemaliger Angehöriger der Regionalpolizei Lenzburg. Selber Drogenkonsument, brachte er, als ihn sein Vorgesetzter zur Rede stellte, zu aller Überraschung den Polizeichef von Zofingen ins Spiel. In der Strafuntersuchung führte das Bezirksamt Lenzburg die Ermittlungen, weshalb dort auch der Gerichtsstand ist.

Polizeivorsteher trat zurück

Der Fall des dealenden Polizeichefs hatte auch politische Folgen: Der Zofinger Stadtrat Herbert H.Scholl trat wenige Tage darauf zurück. Der Polizeiressortvorsteher musste sich Fragen dazu stellen lassen, ob er nicht allfällige Warnzeichen übersehen hat.

Dem Repol-Chef – einem polizeilichen Quereinsteiger – war es gelungen, alle zu täuschen. Der diplomierte Informatik-Ingenieur hatte offenbar bereits während des Auswahlverfahrens für den Posten Drogen konsumiert und damit gehandelt.

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