Es war Inzest, aber keine Vergewaltigung. Das ist der richterliche Befund einer Strafuntersuchung gegen einen 39-jährigen Mann aus dem Limmattal. Laut Anklage hatte der nicht geständige Slowene am 9. April 2010 seine um fünf Jahre jüngere Halbschwester in deren Wohnung im Bezirk Dietikon besucht. Da er nicht mit ihr aufgewachsen war, hatte er offenbar keine Hemmungen, sie zu fragen, ob sie mit ihm schlafen wolle.

Laut Staatsanwaltschaft hat sich die Geschädigte aufgrund eines früheren sexuellen Missbrauchs durch ihren Vater nur schlecht gegen geschlechtliche Avancen wehren können. Was der beschuldigte Halbbruder offenbar wusste.

Geschlechtsverkehr in der Küche

Laut Anklage zog sich die Geschädigte in die Küche zurück. Wohin ihr der Beschuldigte folgte und sie gegen ihren Willen zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben soll. Laut Staatsanwalt verging er sich an ihr auf der Küchenablage.

Die Geschädigte erstattete Strafanzeige, worauf der Slowene über 9 Monate in Untersuchungshaft verbrachte, wobei er sämtliche Vorwürfe abstritt. Auch den eingeklagten Geschlechtsakt.

Im November 2010 kam es am Bezirksgericht Dietikon zu einem ersten Prozess. Dabei schlugen die Dietiker Richter einen Mittelweg ein. Aufgrund der Aussagen der Beteiligten sahen sie eine Vergewaltigung als nicht erwiesen an. Hingegen gingen sie von einem einvernehmlichen Geschlechtsverkehr aus. Was zu einem Schuldspruch wegen Inzests und einer unbedingten Freiheitsstrafe von 9 Monate führte.

Urteil bestätigt

Der Beschuldigte legte Berufung gegen den Dietiker Entscheid ein und verlangte vor einem Monat am Zürcher Obergericht einen vollen Freispruch. Der Prozess fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit und der Presse statt.

Nun hat das Obergericht die Öffentlichkeit über den Fall informiert. Demnach bestätigte es das erstinstanzliche Urteil umfassend. Da der Mann die 9 Monate bereits verbüsst hat, muss er nicht mehr ins Gefängnis. Für die zu lange Zeit im Gefängnis von 15 Tagen erhält er eine Genugtuung in der Höhe von 1500 Franken.