Rekrut

«Es war ein Badeunfall»

Vergebliche Suche: der Durchdiener wird noch immer vermisst.

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Vergebliche Suche: der Durchdiener wird noch immer vermisst.

Der Dienstbefehl war klar: Es wird in der Aare nicht gebadet. Drei Durchdiener hielten sich nicht daran. Einer erlitt einen Schwächeanfall und wird noch immer vermisst.

Corinna Hauri

«In der Mittagspause haben drei Durchdiener entschieden, dass sie bei diesen Temperaturen von über 30 Grad baden gehen. Dabei erlitt einer einen Schwächeanfall. Es war ein Badeunfall.» So die Kurzfassung von Daniel Reist, Sprecher des Heeres, zum Vorfall vom Dienstag in Aarwangen. Dort ist der Katastrophen- Bereitschaftsverband der Schweizer Armee seit über eine Woche mit Aufbauarbeiten für das Eidgenössische Potonier-Wettfahren beschäftigt. Die Suche nach dem vermissten 21- jährigen Innerschweizer wurde gestern Abend abgebrochen. Mehr als 50 Leute waren den ganzen Tag im Einsatz.

War kein Offizier in der Nähe?

Auch wenn der Wunsch nach einem kühlen Bad nachvollziehbar ist - «die drei Durchdiener haben alle Vorschriften verletzt», sagt Reist: Im allgemeinen Dienstbefehl war das Baden in der Aare ausdrücklich verboten worden. Zudem schreibt das entsprechende Armee-Reglement vor: «Schwimmen und Baden im freien Gewässer ist nur mit Rettungswesten gestattet.» Laut Reist trugen die drei aber keine Schwimmwesten. Zudem sagt das Reglement, dass nur unter Aufsicht gebadet werden darf. Dass die drei während einer Pause schwimmen gingen, tut nichts zur Sache: «Ein Dienstbefehl gilt auch in der Mittagspause», sagt Christoph Brunner, stellvertretender Armee-Sprecher. Waren keine Offiziere da, die den Vorfall hätte verhindern können? «Ob und wer in der Nähe war, ob und durch wen die Aktion allenfalls beaufsichtigt war, ist Gegenstand der Ermittlungen», sagt Frank Zellweger, Sprecher der Militärjustiz. Dennoch schreibt André Blattmann, Chef der Armee, an die Armeeangehörigen: «Unabhängig davon, wie es zu diesem erneuten Unglück gekommen ist, rufe ich alle militärischen Vorgesetzten dazu auf, ihre Führungsverantwortung umfassend und konsequent wahrzunehmen.»

An die Selbstverantwortung appelliert

Im Übrigen appelliert Blattmann an die Selbstverantwortung jedes Einzelnen: «Nehmen Sie Ihre Verantwortung wahr, für sich selbst und für Ihre Kameraden.» Ebenfalls von Eigenverantwortung spricht Nationalrat Bruno Zuppiger (SVP/ZH), Präsident der Sicherheitspolitischen Kommission (SIK). Er sagt zudem: «Es ist ein tragischer Vorfall. Doch die Armee kann nichts dafür, denn es wurden Dienstvorschriften umgangen. » Auch Armee-Kritiker und SIK-Mitglied Jo Lang (Grüne/ZG) nimmt die Armee in Schutz: «Das ist ein trauriger Unfall, wie er auch im Zivilen passieren kann und passiert.» Mit den Unglücken an der Jungfrau oder auf der Kander sei dieser Vorfall nicht zu vergleichen, sagt auch Zuppiger: «Hier gab es eine klare Vorschrift, dass man nicht baden darf. Diese wurde genau deshalb aufgestellt, weil es gefährlich war.» Tatsächlich ist die Aare zwischen Wangen und Wynau gefährlich, mit starken Strömungen und Wirbeln. Der tödliche Badeunfall vom Dienstag ist hier nicht der erste.

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