Brandursache
Erste Ergebnisse zur Explosion in Pratteln liegen vor

Die Experten der Gaswirtschaft haben diese Woche ihren Bericht abgeliefert. Gut zwei Monate ist es her, als in Pratteln ein Wohnhaus im Längi-Quartier durch eine Explosion zerstört wurde.

Michael Heim
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Am 14. April hatte eine Explosion dieses Prattler Haus verwüstet. Kenneth Nars

Am 14. April hatte eine Explosion dieses Prattler Haus verwüstet. Kenneth Nars

Nun liegt ein erster Untersuchungsbericht vor, wie mehrere Behörden dem «Sonntag» bestätigen. Erstellt worden sei er vom technischen Inspektorat des Schweizer Gasfachs, sagt Julia Guran, Sprecherin des Vereins des Schweizerischen Gas- und Wasserfachs (SVGW). Seit rund einer Woche hat ihn auch die zuständige Baselbieter Staatsanwältin.

Für den Bericht wurde untersucht, ob die Hauptgasleitungen zum und im Gebäude als Ursache für die Explosion infrage kämen. Offenbar entlastet der Bericht nun zu weiten Teilen die Industriellen Werke Basel (IWB) als Betreiber dieser Gasleitungen, wie aus dem Umfeld der Ermittlungen zu erfahren ist. Die Hauptleitungen seien intakt. Offiziell will das niemand bestätigen.

Der Bericht befinde sich noch in einer Vernehmlassung unter den beteiligten Stellen, sagt Michael Lutz, Sprecher der Staatsanwaltschaft Baselland. Detaillierte Informationen folgen aber bald: SVGW-Sprecherin Guran sagt, die Inhalte des Berichts würden morgen Montag veröffentlicht, Lutz spricht vom Verlauf dieser Woche. Bereits Anfang Monat hat die Staatsanwaltschaft in einer Mitteilung Sprengstoff als Ursache der Explosion ausgeschlossen.

Mutwilligkeit bleibt Spekulation

Wenn die Hauptleitungen als Ursache der Gasexplosion wegfallen, bedeutet das, dass Gas in einer Wohnung ausgetreten sein dürfte. Unklar bleibt dabei, ob es sich um eine Panne oder eine mutwillige Öffnung der Leitung gehandelt hat. Zweites könnte einen Strafprozess gegen die entsprechende Person nach sich ziehen. Stawa-Sprecher Lutz wollte sich gegenüber dem «Sonntag» nicht zum Stand allfälliger Strafuntersuchungen äussern. Das sei Teil der Medienmitteilung, der er nicht vorgreifen wolle.

Frühere Aussagen der IWB machen es wahrscheinlich, dass die Gasleitung mutwillig geöffnet wurde, verfügten die Hausinstallationen doch offenbar über Sicherheitsventile, die ein unkontrolliertes Austreten verhindern sollten. Die Wohnungen des Hauses waren mit Gasherden ausgestattet. Inzwischen seien diese in den bewohnbaren Wohnungen aus «psychologischen Gründen» durch Elektroherde ersetzt worden, zitierte die «Basler Zeitung» unlängst den Hausverwalter. Die alten Installationen seien aber noch keine zehn Jahre alt gewesen.

Die Kosten des Wiederaufbaus des Gebäudes trägt vorderhand die Basellandschaftliche Gebäudeversicherung. Diese bezahle die Wiederinstandsetzung sowie die Kosten für Abbruch- und Aufräumarbeiten, sagt Peter Bächtold, Leiter des Bereichs Schätzung. Die Versicherungssumme sei ermittelt worden, die Deckungszusage erfolgt. Radio «Energy» berichtete diese Woche von einem Baugesuch für einen Neubau. Die acht neuen Wohnungen sollen demnach im April 2013 bezugbereit sein.

Sollte sich herausstellen, dass die Explosion mutwillig herbeigeführt worden ist, könnte dies für den Täter teuer werden. Bächtold bestätigt, dass die Gebäudeversicherung einen Regress auf einen allfälligen Täter prüfen werde, sobald die genauen Untersuchungserkenntnisse vorliegen.

Bei der Explosion am 14. April waren acht Personen verletzt worden, eine davon schwer. Dass von den berstenden Fenstern im Umfeld nicht mehr Menschen verletzt wurden, ist offenbar dem schlechten Wetter zu verdanken. Nur wenige Menschen hielten sich zur Tatzeit auf den Strassen des Quartiers auf.

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