Trickbetrüger
Erfundene Rechnung kommt per E-Mail

Internetbetrüger versuchen mit immer neuen Tricks, an Geld zu kommen. Aktuell schieben sie einen echten Anwalt vor.

Toni Widmer
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Schweiz am Sonntag

Die Anwaltskanzlei Florian Giese in Hamburg gibt es wirklich. Aber sie hat mit jenen Rechnungen nichts zu tun, welche zurzeit per E-Mail auch in unserer Region an zahlreiche Adressaten verschickt worden sind. Der Name von Florian Giese, so schreibt er in einer Mitteilung vom 26.Oktober auf seiner Homepage, wird von Internet-Betrügern missbräuchlich verwendet, um ihren Drohungen Nachdruck zu verleihen.
In Ihren Spam-Mails gaukeln die Betrüger ihren Adressaten vor, es würde wegen unerlaubten Musik-Downloads aus dem Internet ermittelt. Konkret steht im Mail, das auch Journalisten der Zeitung «Der Sonntag» zugestellt worden ist: «Durch das Herunterladen urheberrechtlich geschützter Werke haben Sie sich laut §106 Abs1 UrhG i.V. mit §§15,17,19 Abs.2 pp UrhG nachweislich strafbar gemacht. Bei ihrem Internetanschluss sind mehrere Downloads von musikalischen Werken dokumentiert worden. Aufgrund dieser Daten wurde bei der zuständigen Staatsanwaltschaft am Firmensitz unseres Mandanten Strafanzeige gegen Sie gestellt.» Dazu kommen exakte Angaben über die Zahl angeblich illegal herunter geladener Musikstücke sowie der registrierten IP-Adresse. Das Mail mündet in der Aufforderung, über ein Internet-Zahlsystem 100 Euro zu überweisen. Ansonsten, drohen die Betrüger, müsse mit weiteren Ermittlungen und sogar Hausdurchsuchungen gerechnet werden.

Keine Rechtsgültigkeit
«Löschtaste drücken», empfiehlt die Polizei in solchen Fällen: «Wichtige amtliche Dokumente, und dazu gehören insbesondere auch Zahlungsaufforderungen, kommen nach wie vor per Briefpost und nicht per Mail. E-Mails sind bisher nur in seltenen Fällen überhaupt rechtsgültig. Man kann bei solchen Drohungen also mit gutem Gewissen auf die Löschtaste drücken», sagt Bernhard Graser, Mediensprecher der Kapo Aargau.
Internetbetrüger, erklärt Graser weiter, gingen meist nach der gleichen Masche vor: «Sie locken entweder mit fetten Gewinnen, oder sie versuchen, den Leuten ein schlechtes Gewissen anzuhängen.» Nach wie vor kursierten landesweit jene Mails, in denen eine grosse Erbschaft angekündigt, für deren Erhalt zwecks Begleichung von Abklärungskosten etc. ein Vorschuss verlangt werde: «Es gibt leider immer wieder Leute, die auf die-
se Masche hereinfallen und zahlen», sagt Graser.
Bei Zweifelhaften Mails können sich Internetnutzer an die Kantonspolizei melden oder sich bei der Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (www.kobik.ch) näher informieren. Die Kobik erteilt auf Anfragen auch weitergehende Auskünfte per Mail und ist zudem Anlaufstelle für Personen, die verdächtige Internetinhalte melden wollen.

Vor Spam schützen
Vor Spam-Mails kann man sich laut Kobik am besten durch einen vorsichtigen Umgang mit seiner Adresse schützen. Für Newsgroups, Mailinglisten etc. empfiehlt die Fachstelle eine zweite E-Mail-Adresse. Spam-Mails sollten nie beantwortet, sondern sofort gelöscht werden. Von Vorteil seien zudem lange E-Mail-Adressen. (to)