Als der junge Döttinger in der Nacht auf Samstag zurück an die Party kam, musste er von den Gästen Erstaunliches erfahren: Seine eigenen Freunde hatten seine Autoschlüssel aus der aufgehängten Jacke geklaut und sich auf eine Spritztour durch die Region gemacht. Der 18-jährige «Fahrer» war alkoholisiert und verfügte nur über einen Lernfahrausweis. Es kam, wie es kommen musste: Der Fahrer verlor die Kontrolle über das Fahrzeug und prallte gegen zwei Pfosten. Zwei Mitfahrer wurden verletzt. Gestern besuchte der junge Döttinger, dessen Auto schrottreif ist, einen Kumpel im Spital. Zu bereden gibts viel.

Den «grossen Chef» markieren

Immer wieder kommt es zu gefährlichen Spritztouren und Strolchenfahrten. Und immer wieder fordern Unfälle Verletzte. «Solche Spritztouren gab es immer, in letzter Zeit häufen sie sich aber», sagt Kantonspolizeisprecher Max Suter.

Im Fall des jungen Döttingers klauten die Freunde den Schlüssel aus der Jacke, doch in vielen Fällen liege der Schlüssel irgendwo rum. «Es ist oft der Reiz zu zeigen, dass man bereits Auto fahren kann, vor allem vor den Kollegen», so Max Suter. Jugendliche oder junge Männer sei es so möglich, vor den Kollegen den «grossen Chef» zu markieren, erklärt der Kapo-Sprecher.

Auto der Mutter gestohlen

Wie hoch die Dunkelziffer ist, kann man bei der Polizei nicht sagen. Kapo-Sprecher Max Suter meint aber: «Der steigende Kontrolldruck der Polizei könnte auch eine Ursache für die Häufung sein.» Wie etwa im Fall des alkoholisierten 21-jährigen Mannes, der am frühen Sonntagmorgen mit dem Auto der Mutter unterwegs war. Um etwa 4 Uhr stoppte ihn eine Patrouille der Grenzwache, da er ohne Licht durch Baden gefahren war. Dann stellte sich heraus: Er fuhr nicht nur alkoholisiert mit dem entwendeten Auto der Mutter, er hatte noch gar keine Fahrberechtigung und das Auto der Mutter war nicht eingelöst. Der 21-Jährige gab an, den Wagen seiner Mutter für eine Spritztour entwendet zu haben.

Keiner zu jung, um zu fahren

Eine Strolchenfahrt, die mit zwei Leichtverletzten «glimpflich» ausgegangen war, sorgte bereits vergangene Woche für Schlagzeilen: Ein 14-jähriger Bursche klaute in Muri das Auto seines Vaters und fuhr mit drei Gleichaltrigen durch die Gegend. In Hermetschwil-Staffeln nahm die Fahrt ein abruptes Ende, wo der 14-Jährige das Vortrittsrecht eines anderen Automobilisten missachtete und ein anderes Auto rammte. (spi/ksc)