Ein Störmanöver zum Geburtstag

Wegen Mängel beim Notstrom fordern die AKW-Gegner die Beznau-Abschaltung. Axpo und Aufsichtsbehörde weisen alle Vorwürfe zurück und betonen: «Die Kraftwerke sind sicher».

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Aargauer Zeitung

Hans Lüthi

Kein Polit-Marketing

Die Atomgegner beziehen sich auf einen Vorfall aus dem Jahr 2007. Dass die Forderung nach der Stillegung des AKW Beznau just auf das 40-Jahr-Jubiläum fällt, riecht nach einer konzertierten Störaktion. SP-Präsident Marco Hardmeier will aber nichts davon wissen, dass der Brief an Bundesrat Leuenberger gezielt auf dieses Ereignis getimt wurde. Vielmehr seien die AKW-Betreiber mit ihrer verschleiernden Informationspolitik selber dafür verantwortlich, dass gewisse Dinge zu lange unter dem Deckel blieben. Es sei auch erst kürzlich bekannt gegegeben worden, dass fällige Nachrüstungen erst 2011 in Angriff genommen werden. SP und Grüne sind selbstverständlich nicht den Atomenergie-Befürwortern zuzuordnen. Sich als Regierungspartei mit der Radikalforderung nach einer Sofort-Abschaltung zu profilieren, könnte im Aargau aber etwas heikel sein. Laut SP-Präsident Hardmeier wurde die Aktion nicht von der Partei lanciert, die SP trage sie aber als Mitglied von «Nie wieder Atomkraftwerke Aargau» mit. (mou)

Alles ist für das Jubiläum des ältesten Schweizer Kernkraftwerks vorbereitet, die Feier 40 Jahre Beznau 1 findet am Samstag auf der berühmten Energieinsel in der Aare bei Döttingen statt. Störaktionen durch die Atomkraftwerk-Gegner hat die Axpo längst befürchtet, jetzt sind sie prompt eingetroffen. «Acht Organisationen der Standortkantone verlangen von Bundesrat Moritz Leuenberger die Ausserbetriebnahme des AKW Beznau», steht in der Mitteilung an die Medien. Neben den bekannten Gegner-Organisationen Fokus Anti-Atom Bern, Nie wieder Atomkraftwerke Aargau, Solothurn und Bern wird die Forderung auch von der linken Politik getragen: Die Sozialdemokratischen und die Grünen Parteien der Kantone Aargau und Solothur unterzeichnen den Wunsch nach Stilllegung von Beznau ebenfalls.

Vorwürfe wegen Notstrom

Bei ihren Vorwürfen stützen sich die AKW-Gegner und die linken Politiker auf einen Notstromdiesel, der im August 2007 während der Revision nicht richtig funktioniert hat. Wie die Kritiker selber schreiben, standen für die Versorgung mit Notstrom (bei Wegfall der eigenen Produktion) nur noch das nahe Wasserkraftwerk und zwei Flutdiesel zur Verfügung. Bei grösseren Erdbeben sei deren Funktion zu unsicher, was gegen die Atomrichtlinien verstosse. Bei den AKW Beznau seien die Notstromsystem so schwach, «dass eine Katastrophe nur schwer zu verhindern wäre», steht im offenen Brief an Leuenberger.

Kritik an Aufsichtsbehörde

Bei ihrem fünfseitigen Rundumschlag gegen Beznau nehmen die AKW-Gegner auch die Aufsichtsbehörde des

«Das Kernkraftwerk Beznau ist sicher»

«Das Kernkraftwerk Beznau ist sicher, darum kann es weiterhin betrieben werden», kontert Sprecher Anton Treier vom Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) auf die Vorwürfe der AKW-Gegner. Für die Notstromversorgung laufe ein Projekt für zusätzliche Notstromdiesel. Diese seien nötig, weil das nahe Flusskraftwerk in absehbarer Zeit erneuert werden soll.
Bei einem Ausfall der Eigenversorgung im Atomkraftwerk dient das Wasserkraftwerk Beznau als Lieferant von Notstrom, zusammen mit diversen Diesel-Aggregaten.
Diese grossen Notstromdiesel werden jeden Monat getestet. Weil deren Leistung in ganz kurzer Zeit von null auf hundert Prozent steigen muss, kommt es auch zu Ausfällen. Die beiden Beznau-Blöcke mit je 365 Megawatt elektrischer Leistung haben eine unbefristete Betriebsbewilligung. Die Besitzerin Axpo rechnet mit einer Laufzeit von
50 bis 55 Jahren. Block 1 ging 1969 ans Netz, Block 2 im Jahr 1971.
«Unbefristet heisst nicht beliebig lange», betont Anton Treier, «bei mangelhafter Sicherheit würde ein Kernkraftwerk sofort
abgeschaltet.» Die von den AKW-Gegnern bemängelten Risse in den Deckeln der Reaktordruckbehälters gibt es laut Axpo nicht. Zwar werden die grossen Deckel ausgewechselt, aber das sei erst für das Jahr
2014 vorgesehen. (Lü.)

Vorwürfe völlig unhaltbar

Beim Zeitpunkt für die Vorwürfe kann sich Axpo-Sprecher Roland Keller nur vorstellen, dass die AKW-Gegner mit einem Fuder Mist zum Jubiläum gratulieren wollten. Der Vorwurf einer mangelhaften Versorgung mit Notstrom «ist absolut nicht nachvollziehbar», schreibt die Axpo. «Die Notstromversorgung erfüllt alle Anforderungen des Ensi». Seit 1969 habe die Axpo rund 1,6 Milliarden Franken für Nachrüstungen in eine bessere Technik investiert. «Heute ist die Beznau-Technik mit den neuesten Anlagen vergleichbar.»

Rückweisung der Kritik

«Auf die einzelnen Vorwürfe wollen wir gar nicht eintreten, wir weisen die ganze Kritik generell zurück», sagt Anton Treier, Sprecher beim Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat in Würenlingen. «Jedes Kernkraftwerk in der Schweiz erfüllt alle sicherheitstechnischen Anforderungen, sonst würden wir es nicht laufen lassen», versichert Treier. Deshalb sei auch bei allen Revisionen oder Abschaltungen zwingend eine technische und organisatorische Kontrolle nötig. «Erst danach geben wir die Freigabe für das Anfahren des Reaktors», betont der Ensi-Sprecher. Bei relevanten Problemen könne die Sicherheitsbehörde für ein Kernkraftwerk jederzeit die Abschaltung anordnen.