Ein Mord mit einer langen Vorgeschichte

Afrim M. hat seiner Frau schon vor Jahren mit dem Tod gedroht. Das kosovarische Ehepaar lebte seit langem im Streit. Musste Mirvet M. in Riniken sterben, weil sie sich definitiv scheiden lassen wollte?

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Von Alois Felber

Wer sich in Riniken herumfragt, hört nur Gutes über die 35-jährige Mirvet M., die am Donnerstag an der Bushaltestelle bei der Post mutmasslich von ihrem 41-jährigen Ehemann Afrim erschossen wurde. Sie sei eine intelligente, starke, selbstständige Frau gewesen, heisst es. Die zuletzt im Altersheim Brugg arbeitende Frau habe sich immer bemüht, den Lebensunterhalt für sich und ihre drei Kinder selbst zu verdienen, habe sich im Dorf und im schweizerischen Alltag gut integriert. Und genau das sei ihr wohl zum Verhängnis geworden, wird gemunkelt.

Während die Kantonspolizei vorläufig keine Informationen über ihre Ermittlungen bekannt gibt und deshalb auch zum Motiv von Afrim M. nichts sagt, vermuten die Leute in Riniken, dass er sie tötete, weil sie sich nach vielen Jahren des Streits womöglich definitiv von ihm scheiden lassen wollte.
Vorerst bleibt dies zwar Spekulation. Die Bluttat hat jedoch eine lange Vorgeschichte.

Von einem ständigen Auf und Ab in der Beziehung mit dem traditionell autoritär denkenden Ehemann in den letzten zehn Jahren, von Schlägen, Drohungen, ja sogar einer zeitweisen Verschleppung der Frau nach Kosovo erzählen Bekannte und bestätigen damit einen Bericht von Tele M1. Mehrmals hätten sich die beiden auch getrennt, wobei das spätere Opfer seinen Ehemann aber immer wieder bei sich aufgenommen habe. Mehrmals habe die Frau auch Anläufe zu einer Scheidung unternommen, sei aber doch wieder davor zurückgeschreckt.

Mehr als einmal sei es am Wohnort der Familie zu Polizeieinsätzen wegen häuslicher Gewalt gekommen, bestätigt auch Gemeindeschreiber Jörg Hunn, dass der Streit der Eheleute schon früher eskalierte. Nach einem dieser Vorfälle, bei dem Afrim M. seine Frau vor fünf Jahren mit einer Waffe bedroht haben soll, wurde er auch inhaftiert. Nach Recherchen dieser Zeitung zog seine Frau damals sogar um, nahm ihren Mann später aber doch wieder bei sich auf. Seit einem Jahr lebten die beiden allerdings erneut getrennt. Er zog in eine Wohnung in Brugg.

Am Donnerstagnachmittag fuhr er dann nach Riniken und klingelte nach Angaben der Nachbarn gegen 13 Uhr an der Haustür seiner Frau, ohne eingelassen zu werden. Vor der Tür soll er sich telefonisch mit seiner Frau gestritten haben. Zwei Stunden später wurde Mirvet M. an der Bushaltestelle bei der Post vor Augenzeugen mit mehreren Schüssen getötet. Weil sich ein Mann das Kontrollschild des Autos des flüchtenden Täters notierte, wurde sofort nach dem Fahrzeug gefahndet und Afrim M. kurz nach 18 Uhr unter dringendem Tatverdacht in Brugg festgenommen.