«Was sich Samstagnacht zugetragen hat, realisiere ich immer erst, wenn ich mein Spiegelbild betrachte», erzählt Julian K.* Sieben Schnittwunden, fünf davon so tief, dass sie mehrfach genäht werden mussten, zeichnen das Gesicht des jungen Mannes. Ein Unbekannter hat ihm im Ausgang einen gläsernen Gegenstand ins Gesicht gedrückt – oder geschlagen. Der 20-jährige weiss es nicht genau, so unerwartet und blitzschnell ereignete sich die Tat.

In die Länge ziehen wird sich dagegen die Genesung. Da der Heilungsprozess bei jedem Menschen anders verläuft, wissen die Ärzte nicht, wie die zum Teil Zentimetertiefen Schnittwunden zusammenwachsen werden. «Ich habe einfach Angst», versucht der junge Mann seine momentane Gefühlslage in Worte zu fassen. Er sei 20 Jahre alt und wolle doch nicht ein Leben lang eine Vernarbung im Gesicht tragen.

Angriff aus dem Nichts

Es war ein Samstagabend wie viele andere zuvor auch. Julian K. besuchte mit Kollegen die Solothurner Partylokalität Eleven. «Die Stimmung war gut», erinnert er sich. Nichts deutete auf Aggressionen hin – vorerst. Julian K. folgte gerade seinen Freunden auf die Tanzfläche, als ihm beim Betreten der Bühne jemand absichtlich den Ellenbogen in den Rücken stiess.

Er wendete sich dem Verursacher zu und wollte wissen, was die Pöbelei solle. Obschon Julian K. betont, ruhig und in sachlichem Ton den Anderen angesprochen zu haben, reagierte dieser aggressiv und überhäufte ihn mit Schimpftiraden. Julian K. erwiderte seinem Gegenüber, dass er all das doch selber sei, wenn er es für nötig halte im Ausgang planlos Leute anzupöbeln.

«Für mich war die Sache damit erledigt», betont Julian K. Er habe sich zwar abgewendet, aber die Provokationen hörten derweil nicht auf. Julian K. drehte sich erneut um, und bedeutet dem Anderen mit einem Schubs, dass er ihn endlich in Ruhe lassen solle. In diesem Moment sprach ihn seitwärts ein Unbekannter an.

«Als ich den Kopf drehen wollte, nahm ich nur noch wahr, wie ein Glasgegenstand aus derselben Richtung an meinem Kopf zerbrach. Im nächsten Moment sah ich auf dem linken Auge nichts mehr», beschreibt der junge Mann die Situation.

Hunderte Gäste aber keine Zeugen

Auch Markus Moerler, Eleven-Klubbesitzer hat sich zufälligerweise während des Tathergangs in nächster Nähe aufgehalten. «Es müssen drei bis höchstens vier Meter gewesen sein», erinnert er sich. Er unterstreicht aber, dass in einem Club auf diese Distanz mindestens noch fünf bis sechs Leute dazwischen stehen.

Darum habe er vom Vorfall nichts mitbekommen. «Plötzlich war da einfach ein Verletzter. Ein junger Mann, der sich die blutverschmierte Hand aufs Auge drückt.» Man habe ihn sofort nach draussen begleitet, erste Hilfe geleistet und zeitgleich die Ambulanz verständigt. Und die Polizei? «Gute Frage», bekennt der Klubbesitzer. Er erklärt, dass schlicht niemand daran gedacht habe, auch die 117 zu wählen. «Vorgängig hat keine offensichtliche Auseinandersetzung stattgefunden.»

Eine blutige Angelegenheit

Aus dem Spitalbericht geht hervor, dass Julian K. aufgrund diverser arterieller Verletzungen rund einen halben Liter Blut verloren hat. Kein Grund für Moerler, weshalb nach dem Umfall nicht hätte weiter gefeiert werden sollen. «Der Boden im Eleven ist dunkel», erklärt Moerler und auf dem Boden liegende Glasscherben gebe es an Partys des Öfteren.

Er betont abermals, dass der Verletzte ganz im Zentrum gestanden habe und nicht der Tathergang. Überlegungen zum Täter, zur Tatwaffe und möglichen Beweisstücken– zum Beispiel mit Blut bespritze Kleidungsstücke – hat man sich erst später gemacht. Die Blitz-Tat kam aus dem Nichts und verläuft sich bisher im Dunkeln.

Von Dutzenden Partygängern will niemand etwas bemerkt haben. Julian K. hat noch am Sonntag bei der Polizei Anzeige gegen unbekannt eingereicht. «Sie haben mir geraten, auf Facebook einen Aufruf zu starten.» Auf der Internet-Plattform kursiert derzeit ein Bild von ihm und seinen Verletzungen mit dem dringenden Aufruf, dass sich Zeugen bei der Polizei melden sollen.

Die Anteilnahme von Freunden und Bekannten ist gross – Hinweise von Augenzeugen dagegen sind rar und somit die Suche nach den Tätern bisher erfolglos. Julian K. kann sich nicht an das Gesicht des Täters erinnern: «Die Situation hat mich schlicht überrumpelt.» Die Polizei sucht nach wie vor nach den beiden Unbekannten und Zeugen (Telefon 032 627 71 11).

*Name von der Redaktion geändert.