Er ist kein Mann, der von sich viel Aufhebens macht, und ist fast etwas erstaunt, dass ein Journalist ihn extra treffen will, um mit Blick auf seine Zeit als Grossratspräsident einen Artikel zu schreiben. Er ist korrekt, freundlich und politisiert sachbezogen, kann - wenn nötig - aber durchaus deutlich werden. In der Sache ist er hartnäckig und kann sich das auch leisten, weil er in seinen Dossiers sattelfest ist und entsprechend zu argumentieren weiss.

Von ihm höre man nie ein Wort zu viel, aber auch nie eines zu wenig, würdigte fast auf den Tag genau vor vier Jahren seine Nachfolgerin Doris Fischer-Taeschler die Zeit von Herbert H. Scholl als Präsident der FDP Aargau. Er beherrsche die Kunst des kurzen und prägnanten Redens.

So verhält es sich auch mit den drei Zielen, die er als Grossratspräsident anstrebt. Er will zur Stärkung des Einflusses und Ansehens des Aargaus in der Schweiz beitragen. Und darüber hinaus den Einfluss des Grossen Rates gegenüber Regierung und Verwaltung stärken. Etwa indem die Regierung dem Parlament künftig eine Jahresplanung mit kommenden Vorlagen und Vernehmlassungen unterbreiten soll, damit sich die Parlamentsmitglieder rechtzeitig vorbereiten können. Schliesslich sollen sich die Kommissionen nicht nur mit ihren Geschäften befassen, sondern verstärkt auch das Gesamtinteresse des Kantons im Fokus haben. Und im Grossen Rat - er will das Parlament straff führen, strikt auf die Einhaltung der Redezeiten achten und persönliche Angriffe nicht dulden - darauf hinwirken, dass in Debatten und Beschlüssen immer auch die Aussenwirkung in der Schweiz bedacht wird.

Grossräte sind Milizpolitiker. Da gilt es ständig, die Balance zwischen beruflicher und politischer Belastung zu halten. Auf Scholl warten im Präsidialjahr zusätzliche Verpflichtungen repräsentativer Art. Das schreckt ihn allerdings nicht. Er hat dafür die zeitintensive Belastung als Präsident der Kommission für Aufgabenplanung und Finanzen (Kapf) nicht mehr und will im Amtsjahr einfach gewisse Prioritäten anders setzen, damit auch Zeit für die Familie bleibt, mindestens in den Ferien und möglichst auch am Sonntag. Zu seinen ersten Verpflichtungen zählen nächste Woche die Teilnahme am Politgipfel an der Luga in Luzern und kurz darauf als Gast an der Glarner Landsgemeinde. Und noch etwas steht schon fest: Für den 1. August hat er zwei Anfragen positiv beantwortet. Er wird in Wettingen und Schöftland reden.

Das Präsidium will Scholl nicht als Krönung einer Politikerkarriere verstanden wissen. Das sind ihm zu grosse Worte. Er freue sich aber sehr auf das Präsidium, sagt der «dreifache Zofinger Scholl». Dreifach, weil er Einwohner und Ortsbürger von Zofingen sowie Mitglied der Studentenverbindung Zofingia ist. 2005 kandidierte er in seiner Heimatstadt auch als Stadtammann. Gewählt wurde Hans-Ruedi Hottiger. Dem Zofinger Tagblatt gegenüber akzeptierte Scholl den Entscheid damals nüchtern: «Ein Volksentscheid kommt ohne Begründung zustande.» Es sei richtig gewesen, dass die Wählerinnen und Wähler eine Auswahl gehabt hätten, sagt er rückblickend und fügt an: «Im Stadtrat haben wir eine gute Zusammenarbeit gefunden.»

Das passt zum Politiker, der klare Positionen hat, aber lösungsorientiert politisiert und sich im Kanton der Regionen wohl fühlt. Hier könne es gar keine Grossstadt geben, sagt Scholl: «Die Vielfalt der Regionen ist die Stärke des Aargaus, damit unterscheidet er sich von anderen Kantonen.» Das soll keine Absage an Gemeindezusammenschlüsse sein, ergänzt er: «Wo ein Zusammenschluss Sinn macht, soll er erfolgen.»

Die Vielfalt der Regionen führe zu einer dezentralen Infrastruktur. Das Zusammengehörigkeitsgefühl der Regionen könne man fördern, indem Schulen, Spitäler oder Bezirksämter dezentral blieben. Auflösen dürfe man diese Strukturen nicht, straffen könnte man sie schon, meint Scholl, der sich auch eine Zusammenfassung dieser dezentralen Strukturen in sechs statt in elf Regionen vorstellen könnte.

Ein letztes: Herbert H. Scholl hofft, dass auch im neuen Grossen Rat, losgelöst von den politischen Auseinandersetzungen, persönliche Freundschaften über Parteigrenzen hinweg entstehen. Denn, so Scholl: «Wenn man sich gegenseitig kennt, kann man besser miteinander politisieren.» Ein Merksatz, der gewiss über die Politik hinaus seine Gültigkeit hat.