Ein bitterer Nachgeschmack bleibt

Kluft zwischen Stadt und Land: Das Baselbiet denkt laut Basel-Stadt zu wenig regionübergreifend. (Nicole Nars-Zimmer)

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Kluft zwischen Stadt und Land: Das Baselbiet denkt laut Basel-Stadt zu wenig regionübergreifend. (Nicole Nars-Zimmer)

Für Basel-Stadt steht fest: Baselland darf sich künftig nicht mehr von Hans Rudolf Gysin einschüchtern lassen.

Yen Duong

Es ist nochmal glimpflich verlaufen: Der Streit zwischen Baselland und Basel-Stadt um die Auftragsvergabe beim Life-Sciences-Bau auf dem Schällemätteli-Areal ist beigelegt. Neu sollen die Regierungen «im gesetzlichen Rahmen» für die Submission zuständig sein (siehe Seite 18). Ende gut, alles gut? Wird dieser Vorfall auch die Partnerschaft bei anderen gemeinsamen Projekten belasten? Die Fraktionspräsidentinnen und -präsidenten im Grossen Rat sind sich bei dieser Frage uneinig. Einig sind sich hingegen alle, dass der Direktor der Wirtschaftskammer Baselland, Hans Rudolf Gysin, einen viel zu grossen Einfluss innerhalb des Nachbarkantons hat.

André Weissen (CVP) glaubt, dass dieser Zwischenfall die künftige Partnerschaft nicht gefährde und die Verhandlungen über das gemeinsame Geriatriespital auf dem Bruderholz besser über die Bühne gehen würden. Aber: «Es wird dort sicher Anspielungen auf den Streit beim Life-Sciences-Bau geben», ist er überzeugt. Es sei traurig, dass Hans Rudolf Gysin so viel Macht auf die Landräte ausüben könne. «Es war eine unschöne Sache. Ich hoffe sehr, dass dies ein Einzelfall bleiben wird», meint er. Hans Rudolf Gysin sei so quasi die vierte Macht im Kanton, das sei bedenklich. «Aber dieses Problem wird sich auch eines Tages lösen.»

Lorenz Nägelin (SVP) betont, dass Gysins «Schnellschuss» völlig ungerecht gegenüber Basel-Stadt gewesen sei. «So etwas darf nicht mehr vorkommen. Baselland muss viel mehr für die ganze Region denken», findet er. Er habe ohnehin das Gefühl, dass Baselland Minderwertigkeitskomplexe habe. «Damit schadet der Landkanton sich aber nur selber.» Es sei völlig richtig, dass nun die Regierungen beider Basel die Submission übernehmen. Ob der Vorfall künftige Projekte gefährde, kann er nicht beantworten, denn: «Die Partnerschaft zwischen den beiden Basel ist ja ohnehin nicht gut.»

«Ich bin zuversichtlich, dass die Partnerschaft künftig besser wird. Es haben wohl alle Lehren aus diesem Fall gezogen und gemerkt, dass es so nicht mehr laufen darf», meint Heidi Mück (Grünes Bündnis). Um solche Auseinandersetzungen künftig zu vermeiden, müsste man früher auf die «dominante Person» eingehen und das Gespräch suchen. In diesem Fall sei dies aber zu spät geschehen. Sie hofft, dass die Landräte daraus gelernt hätten und sich somit nicht mehr von Gysin unter Druck setzen liessen.

Christophe Haller (FDP) denkt, dass die Partnerschaft nicht «gross» in Gefahr sei, er räumt aber auch ein, dass der Vorfall nicht fördernd war. «Die ganze Geschichte ist einfach peinlich und schlimm für die ganze Region. Denn schliesslich handelt es sich bei der Universität Basel ja um eine gemeinsame Institution», sagt Haller. Es bringe nichts, wenn man «Erbsen zähle», so würde die Region sicher nirgends hinkommen. Das gegenseitige Misstrauen sollte aufhören. «Man darf nicht das Gefühl haben, dass der eine den anderen über den Tisch ziehen möchte.»

Dieter Werthemann (Grünliberale) ist «äusserst froh», dass es nun zu einer Lösung gekommen ist. «Ich bin ein Befürworter des regionalen Denkens. Es müssen alle im gleichen Boot sitzen, sonst verlieren wir alle», findet er. Hans Rudolf Gysin sei mit seiner Drohung definitiv in die falsche Richtung gegangen. Noch mehr schockiert habe ihn aber, dass die Landräte auf Gysins Forderung eingestiegen seien. «Baselland muss vernünftiger werden und nicht mehr so auf Gysin hören. Der Kantönligeist muss aufhören.» Die Partnerschaft werde wegen dieses Vorfalls nicht mehr als vorher leiden. Sie sei ja schon labil.

Anders sieht dies Christoph Wydler (EVP/DSP): «Ich denke schon, dass der Zwischenfall eine Belastung für die Zukunft sein könnte», meint er. Druck auf den Partner auszuüben sei ein schlechtes Zeichen. Beim Geriatriespital werde es wohl einfacher werden, da Baselland federführend sei. «Dann wird sich Gysin sicher zurückhalten», ist Wydler überzeugt. Christine Wirz-von Planta (LDP) bedauert den ganzen Vorfall und betont: «Basel-Stadt muss daraus keine Lehren ziehen. Baselland müsse dies hingegen, denn man soll sich auf das Politische konzentrieren und dürfe sich nicht von aussen beeinflussen lassen.» Wirz ist zuversichtlich, dass der beigelegte Streit nicht im Hinterkopf herumgeistern und andere Projekte gefährden wird.

Auch Christine Keller (SP) ist dieser Meinung. «Und falls dies nicht der Fall sein sollte, haben wir ja gezeigt, dass wir Konflikte lösen können. Mir fällt ein Stein vom Herzen, dass es nun doch noch gut gekommen ist», sagt sie. Am Schluss siege immer die Vernunft.

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